Kapitel 3 - Foulou

"Sschön.", erklang eine gereizt klingende, zischelnde Stimme vom Tisch neben ihr. "Ersst zersstörsst du die Hoffnung der Ahnen und dann verssuchsst du ssie zu töten."

"Was scheren mich die Ahnen?" Dieser Satz hatte ihre Lippen verlassen, bevor die Tochter der Nacht überhaupt voll wahrgenommen hatte, dass noch jemand sich in dem Raum befand. Ruckartig sah sie auf und erstarrte.

Die Augen der Vampir in fanden mitten auf den Tisch einen kleinen, goldenen Drachen, der sie aus rotgoldenen Augen anblickte, er war vielleicht einen Schritt lang und sein Schweif schlug gereizt hin und her. "Dass ssollten ssie oder ehrt ihr eure Toten nicht, Ssantura?"

Geschmeidig hatte die Tochter der Nacht sich vom Boden erhoben und stand nun in Verteidigungshaltung vor dem Drachen. Auch wenn er im Moment nicht sehr gefährlich aussah konnte sich das schnell ändern. Sie verfluchte nur die Tatsache, dass sie ihren Dolch nicht dabei hatte. Und doch würde ihr dieser wahrscheinlich sowieso nicht helfen. Erst dann überlegte sie sich eine Antwort - warum war sie diesem... diesem DING überhaupt eine Antwort schuldig? "Jene die noch Leben ehren die Ahnen - da habt ihr recht, wer auch immer Ihr seid."

Der goldene Drache blickte zu Mei-Lin hinunter, deren Gesicht langsam wieder Farbe bekam. "Sie ist von allen bisher am weitesten gekommen und nun ist auch sie verloren." Er drehte sich und blickte wieder die Vampirin an. "Ich bin der Bote der Ahnen dieser Familie, Foulou."

"Von allen am Weitesten gekommen?" Eine Frage stand in das Gesicht der Vampirin geschrieben, während sie sich der Form nach vorstellte, wie die Höflichkeit es wohl gebat - auch in solch grotesken Situationen, "Santura - Tochter der Nacht."

"Ich weiß." Foulou schien es sich gemütlich machen zu wollen, zumindest rollte er sich zusammen, ließ aber kein Auge von der Vampirdame. "Ssie hätte den Fluch brechen können, doch da ssie Euch getroffen hat, hat auch ssie den Fluch hervorgerufen. Alle anderen vor ihr, waren jünger, alss ssie der Fluch traf."

"Fluch?" Santura war erstaunt. Was für ein Flucht hatte dieses Mädchen getroffen?

"Sseit unzähligen Generation hat keine Frau der Familie Cha ihren 26. Geburtsstag erlebt. Ssobald ssie Sschuld auf ssich laden, trifft ssie dieser Fluch und die wenigssten haben länger alss eine Woche nach ihrem 25. Geburtstag noch gelebt." Seine rotgoldenen Augen ruhten auf ihr und seine Ohren schienen sich auf sie zu richten.

Fast hätte ein Schuldgefühl sich in ihr breit gemacht, doch diese Aussage konnte sie nicht auf sich beruhen lassen. "Schuld?" Die Stimme der Vampirin war nur mehr ein leises Fauchen und ihre Lippen waren leicht gebleckt so dass ihre Eckzähne nun deutlich zu sehen waren. "Sie soll Schuld auf sich geladen haben? Weil sie mich getroffen hat?" Automatisch hatte sie ihre Haltung leicht verändert, etwas geduckt nun, fast so als wollte sie den Drachen anspringen. Gleichzeitig jedoch beschützte sie die immer noch reglos daliegende vor dem Wesen auf dem Tisch. Er sollte ihr ja nicht zu nahe kommen!

Foulou grinste, als er die Bemühungen der Dame sah, "Ich werde ihr nichtss tun, dass ist gar nicht meine Aufgabe." Doch dann wurden seine Gesichtszüge wieder ernst. "Mei-Lin hat für Euch abssichtlich ihren Vater belogen." Sein Blick ging traurig zu Mei-Lin hinunter und verharrten auf ihr.

"Und selbst wenn es so wäre - ist es schlecht in meiner Gesellschaft zu sein? Dieses Mädchen ist ohne jede Schuld, denn ICH habe sie angesprochen, ICH habe sie eingeladen und ICH wollte dass sie wieder kommt." Oh nein - niemand würde Mei-Lin etwas antun und sie würde NICHT an irgendeinem Fluch sterben. Einmal schon hatte Santura aus einem Land fliehen müssen, weil jemand, der für sie wertvoll gewesen war, den allerletzten Weg gewählt hatte. "Und ich habe nicht einmal Hand an sie gelegt, sie ist unverletzt von Scheitel bis zum Zeh." Die Eckzähne traten noch eine Spur deutlicher zum Vorschein. Dieses DING würde ihr, einer Tochter der Nacht, sicher nicht vorschreiben, was zu geschehen hatte.

Foulou öffnete sein Maul und zeigte ihr seine doch beeindruckenden Zähne, dann schloß er sein Maul wieder und drehte Santura den Kopf zu. "Den Fluch hat ssie sselber auf ssich geladen. Ihr wart nur der Grund. Ssie hatte die Wahl und hat ssich entsschieden."

Santura beschloss sich, diesen Drachen einfach wieder zu ignorieren und drehte ihm den Rücken zu, wandte sich wieder ganz Mei-Lin zu. Diese atmete inzwischen wieder sehr ruhig und etwas Farbe war in ihrem Gesicht aufgetaucht. Fast als würde sie schlafen. Gut so - hoffentlich würde sie nicht aufwachen, bevor der Drache verschwunden war. Es wäre wohl etwas seltsam, seine Anwesenheit zu erklären. Die Vampirin lächelte wieder. Es wäre wohl auch etwas seltsam, ihre zugespitzten Eckzähne erklären zu müssen und obwohl der Foulou sich immer noch in ihrem Rücken befand, verspürte sie keine angst, kein unheimliches Gefühl. Nun - was sollte er ihr auch tun? Sie töten? Das Lächeln wurde zu einem breiten Grinsen.

"Nein, töten würde ich dich nicht. Vernichten würde ess wohl eher treffen." Die Stimme des goldenen Drachen klang ruhig und vielleicht ein wenig belustigt und Mei-Lin schien irgend etwas zu sagen, aber kein Laut kam über ihre Lippen, dann lag sie wieder ruhig da.

Sanft strich Santura über die blasse Wange, bevor sie sich wieder umdrehte. "Was soll es mich kümmern, wenn du mich vernichtest? Selbst wenn du die Macht dazu hast? Da du anscheinend Gedanken lesen kannst - weißt du nicht, dass das "ewiges Leben" nicht für diesen Körper oder diesen Geist geschaffen ist?" Die Tochter der Nacht hatte lange gelebt und viel gesehen - zuviel. Es würde sie nicht kümmern, wenn sie dieses Leben verlassen musste, auch wenn sie die endlose Weite, die angeblich danach war, nicht absichtlich suchte.

Er blickte sie an. "Ich kann deine Gedanken nicht lessen, wohl kann ich aber alless sspüren, wass mit dem Tod verbunden isst." Foulou rollte sich aus und streckte sich. "Die Ahnen trauern um Mei-Lin."

Laut und deutlich hörbar war das Fauchen das aus Santuras Mund entwich. So klang ein Tiger bevor er angriff. "Die Ahnen trauern? Sie trauern um Mei-Lin? Sie LEBT. Und ICH werde sie nicht töten. Noch sonst jemand oder etwas solange ich etwas dafür tun kann." Dieses Mädchen hatte ihr Freude geschenkt und vor allem ihre Freundschaft. Sie hatte nicht vor ihr zurück geschreckt wie so viele andere. Und die Jägerin würde dieses Geschenk nicht wegwerfen oder verkommen lassen.

"Ssie isst verloren, ssie wird wie alle Anderen, für immer zwischen den Welten gefangen ssein, ohne jede Hoffnung." Seine Barthaare zitterten, als er diese Worte sprach und er schloß seine Augen. "Ihre Zeit wird kommen, an ihr ist ess nicht mehr den Fluch auf diesse Weisse zu brechen. Die Geschichten ssagen, dass der Fluch gebrochen wird, wenn eine Cha den 26. Geburtsstag feiert, dann werden alle befreit werden." Er öffnete seine Lider wieder und blickte hinab zu Mei-Lin, welche noch immer ruhig atmend am Boden lag. Tränen rannen über ihre Wangen.

"Nun - da die Ahnen..." Dieses letzte Wort kam mit so viel Verachtung aus Santuras Mund, wie kein lebender Mensch wohl jemals empfunden hatte. "...anscheinend damit zufrieden sind zu trauern - ICH bin es nicht. und ich WERDE dafür sorgen, dass dieses Mädchen lebt. Weil mir nämlich euer dämlicher Fluch egal ist oder die Folgen, was passiert wenn sie lebt oder wenn sie stirbt. Was mich kümmert, ist diese Person – Punkt! Ich lass mir doch von so einem wie dir - einem Drachen ..." noch einmal war die gleiche Verachtung zu hören "... nicht sagen, wer lebt oder wer sterben wird - denn wer wüßte mehr über den Tod, als die Kinder der Nacht?"

Foulou sah sie an und seine Augen schienen zu glühen, seine Klauen gruben sich in den Tisch. Schien es ihr nur so oder wuchs er? "Du sspottest Etwass, wass du nicht versstehsst. Du glaubsst alless zu versstehen mit deinem Alter. Deine Kultur vielleicht, aber diesse hier nicht."

"Spotten? Du hast doch keine Ahnung. Ich verachte dich - weil du jemanden aufgibst, der noch alle Möglichkeiten hat. Und was kümmert mich, was du über mich denkst?" Santura hatte endgültig genug, solche Reden hatte sie zuletzt gehört, bevor sie Europa verlassen hatte, von irgendwelchen uralt gewordenen Vampiren, die glaubten, sie wären wichtig.

"Die Ahnen und ich, wir können nichtss tun, ess ist ein Teil dieses Fluchess. Er gesstattet mir ersst jetzt mit ihr zu ssprechen." Der kleine Drache machte ein Pause und schien zu überlegen. "Sseit diesser Fluch auf der Familie Cha liegt, begleite ich ssie alle und verssuche ihnen zu helfen, doch ess war mir nicht vergönnt, Erfolg zu haben. Wann immer ess geht, bessuche ich ssie alle im Dazwischen und verssuche ihnen Trosst zu geben." Dann runzelte er seinen Nase. "Du magsst es vielleicht für Humbug halten, aber hier läuft es etwass anderss." Er hob seine Pranke und darunter war ein Zettel mit Schriftzeichen. "Versuch ihn doch zu berühren, ich bin kein Priester, der ihn weihen könnte!"

Am Boden begann sich Mei-Lin zu rühren und leise konnte Santura ihre Worte hören, "Nicht, Foulou. Sie ist ein Freundin."

"Verwechsle Verachtung nicht mit Spott. Und nichts könnte größer sein, als diese meine Verachtung, da du dieses Mädchen einfach so aufgibst." Und Santura hatte sich schon halb vom Boden erhoben um diesen Zettel, was auch immer darauf stand, an sich zu nehmen, um ihn anzuschauen, bevor sie Mei-Lins Stimme hörte. Sofort hatte sie sich wieder umgedreht und war bei ihr niedergekniet. Aufmerksam untersuchte sie das Mädchen nochmals doch immer noch war kein Zeichen davon zu bemerken, dass sie aus ihrem Schlaf aufwachen würde. War dieser seltsame Drache daran Schuld dass sie so tief schlief? Wieder drehte sie sich zu ihm zurück. "Gib mir diesen Zettel, denn was schert mich euer Fluch? Und der Tod kann mir seit über 300 Jahren nichts mehr anhaben..."

Foulou beäugte die beiden Frauen und blickte dann wieder mit unverhohlener Abscheu auf die Vampirdame. "Nimm ihn doch, vielleicht versstehsst du ess dann." Er ging von dem Zettel weg und kletterte an der Wand hinauf,um mit ihr auf Gesichtshöhe zu sein.

Die Wangen von Mei-Lin bekamen langsam wieder Farbe und auch ihre Muskeln übernahmen wieder die Kontrolle über den Körper.

Mit schleichenden Schritten näherte die Tochter der Nacht sich diesem geheimnissvollen Zettel und wagte es ihn in die Hand zu nehmen. Und was dann geschah war absolut unmöglich – Einen Wimpernschlag lang drehte sich die Welt zurück, über 300 Jahre zurück und Santura spürte wie das Blut durch ihren Körper zirkulierte, wie eine Wärme in ihr Aufstieg, die wohl vor ihrer Wiedergeburt in ihr geherrscht haben musste. Sie tat einen langen, tiefen Atemzug, zu groß war das Verlangen nach Luft geworden. Und diesen einen Wimpernschlag lebte die Tochter der Nacht, war ein sterblicher Mensch geworden. Doch mit einem grausamen Ruck wurde sie aus diesem Dasein gerissen, in eine Leere, die durch nichts zu beschreiben war. Keine Farben waren mehr um sie, keine Gegenstände. Nichts und niemand. Sie war gefangen in diesem Nicht-Sein. Gefangen und allein. Genauso schnell jedoch war sie wieder zurück geschnellt in die Gegenwart, in ihr Dasein als Jägerin. Und schnell hatte sie den Zettel wieder zurück auf den Tisch gelegt. "Ein netter Trick." Doch auch dieser forsche Satz und ihre vermeintlich selbstbewußte Haltung konnte das leichte Zittern in ihrer Stimme nicht verbergen. Was war nur passiert?

Foulou beobachtete sie ganz genau, jeder ihrer Reaktionen und die Reaktionen ihres Körper. Er wußte ganz genau, was ihr gerade geschah und als sie wieder zu sich kam, murmelte er nur. "Dann sschau in den Sspiegel, sschau in deinen Körper und frage ihn, ob ess eine Einbildung war." Der goldene Drache verschwand hinauf in die Dunkelheit des Daches, nur um gleich darauf, hinter dem Rücken von Santura, direkt neben Mei-Lin aus dem Boden aufzutauchen. Sanft strich seine Pfote über ihre Wange. "Aufgeben ... nein."

"Warum? Warum dann?" Die Tochter der Nacht hatte sich ruckartig zu dem Drachen umgewandt, als dieser am Boden auftauchte und leichte Verzweiflung schwang in ihrer Stimme mit. "Erkläre mir warum. Wie kann ich sie davor beschützen?" Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, dass es etwas gab, dass sie, eine Tochter der Nacht, nicht besiegen konnte. Ein Problem, das sie nicht auf die eine oder andere Art und Weise lösen konnte.

Foulou blickte zu Santura auf. "Du hörsst mir nicht zu, oder?"

Mei-Lin bewegte vorsichtig ihren Arm und langsam öffneten sich ihre Augen. "Das war es also, was Mutter mir in den ganzen Jahren sagen wollte, aber nicht konnte.", kam es sehr langsam über die Lippen der jungen Frau.

"Das ist keine Antwort Foulou. Und solange du mir keine Antwort geben kannst, werde ICH ihr Schicksal nicht akzeptieren." Schnell wie ein Gedanken war die Jägerin jedoch bei Mei-Lin niedergekniet, als diese begann sich zu bewegen und sanft nahm sie sie in ihre Arme. "Schhhhhhht. Bleib liegen. Alles in Ordnung." Und so wie vorhin ihre Stimme drohend, vorwurfsvoll und verzweifelt geklungen hatte, hörte man jetzt nur noch Sanftheit und Freundlichkeit heraus. Aus unerfindlichen Gründen hatte sie dieses Mädchen in ihr Herz geschlossen, welches sie schon seit langem tot geglaubt hatte.

Foulou schlängelte sich um das Tischbein auf diesen hinauf und sah Santura an. "Wenn ssie ihren 26 Geburtstag erlebt, ist ess vorbei." Er beobachtet, wie Mei-Lin sich in den Arm der Dame kuschelte und murmelte dann murmelte sie ein paar für Santura unverständliche Worte. Der kleine Drache nahm sie auf und runzelte die Stirn. "Dann werde ich halt sspäter wieder vorbeisschauen.", kam es etwas unwirsch über seine Lippen und schon war er verschwunden.

"Und ich werde alles in meiner Macht stehende tun, dann WIRD sie ihren 26. Geburtstag erleben." Leise murmelte die Vampirin diese Worte noch, doch der Drache war schon verschwunden und vielleicht hatte er sie nicht mehr gehört, doch irgendwie bezweifelte die Jägerin das. Sanft strich sie über die Wange des jungen Mädchens, dass vor ihr lag. "Aufwachen Mei-Lin." In ihre Stimme legte sie etwas von der Überzeugungskraft, die sie im Laufe der Jahre angesammelt hatte und allen Zwang zu dem sie fähig war und so versuchte sie gleichsam, die Asiatin ins Reich der Lebenden zurück zu rufen. Sie hatte sich immer schon lieber mit Tatsachen beschäftigt denn mit Mythen, Aberglauben und Zaubern. Sollten doch andere, die glaubten, es notwendig zu haben, sich mit soetwas abgeben.

"Ich habe deine Worte gehört und die Ahnen hoffen, dass du ssie in die Tat umssetzen kannsst.", erklang die Stimme des Drachens leise von überall her.

Mei-Lin strich sich über die Augen, welche von Tränen gerötet waren, und blickte dann Santura an. "Ich ... es ... " Sie wußte nicht, was sie sagen sollte, statt dessen hielt sie sich am Arm der Dame fest. Ihre Finger berührten die Haut von Santura und Mei-Lin runzelte die Stirn. "Euch muß kalt sein."

"Ganz ruhig bleiben. Schhhhhhht. Ihr seid ohnmächtig geworden. Ich hätte wissen müssen, dass dieses Kleid zu eng für euch geschneidert ist, denn die europäische Mode achtet nicht darauf, ob die Damen gut Luft bekommen oder nicht. Bleibt ruhig liegen, oder wenn Ihr euch schon wohl genug fühlt versucht langsam und vorsichtig aufzustehen." Santura ignorierte die Aussage Mei-Lins nach der ihr kalt sein sollte. Natürlich war ihre Haut kalt, wurde sie doch nicht, wie bei Menschen, vom Blut, das durch den Körper zirkulierte, gewärmt. Nochmals strich sie sanft über die Wange der Anderen, auch wenn dies vielleicht ungebührlich war, nun da diese wieder erwacht war. Aber die Jägerin hatte die Aufgabe übernommen, der Schutz dieses Mädchens zu sein und sie würde sie behüten. Zwar waren die wenigsten Sagen über Vampire, die in Europa verbreitet waren erlogen, denn sie konnte weder fliegen, noch sich unsichtbar machen. Aber trotz allem war ihre Macht nicht klein und sie WÜRDE all ihr Können einsetzen und NIEMAND würde sich ihr in den Weg stellen.

Mei-Lin registriete die Berührungen und nahm den Arm der Dame zur Hilfe, um sich aufzurichten. "Eure Mode ist seltsam." Sie wischte sich mit den Händen über die Augen und blickte auf den Zettel, welcher noch immer auf den Tisch lag. "Warum hast du ihn genommen? Hatte ich dich nicht gewarnt?"

"So hast du es also mitbekommen? Hast du denn nicht gehört, dass der Tod mir nichts anhaben kann und kein Fluch mich schreckt?" Vorsichtig half Santura bei diesen Worten dem Mädchen, sich hin zu setzen. "Du solltest es ruhig angehen lassen nach dieser Ohnmacht Mei-Lin."

Mei-Lin nickte dankbar und sah ihn in die dunkelblauen Augen. "Er ist zu weit Schlimmeren fähig, als der Tod oder einen Fluch. Trotzdem sind ihm seine Pfoten gebunden, wenn es um meine Familie geht." Ihre Worten waren immer leiser geworden und am Ende liefen die Tränen über die Wangen der jungen Frau hinab, sie umklammerte ihre Knie und machte sich klein. "Ich habe meine Ahnen enttäuscht ... ich habe sie weiter dem Fluch überlassen.", schluchzte sie leise.

"Hast du schon vergessen? Ich werde dich nicht sterben lassen. Und meine Macht ist nicht klein." Die Tränen des jungen Mädchens rührten Santura, sie wusste einfach nicht warum. Mit ihren Augen hielt sie den Blick Mei-Lins fest und in dem weißen Gesicht, von flammendrotem Haar umgeben, stand ein Versprechen, dass die Jägerin fest gewillt war ein zu halten.

"Es ist ein großes Versprechen, welches ihr zu geben breit seit. Das kann ich nicht von euch verlangen. Es ist nicht eure Familie, nicht einmal euer Land." Mehr unbeabsichtigt war Mei-Lin wieder in die dritte Person gefallen. Ihre grauen Augen ruhten auf der Dame, welche sie vor wenigen Momenten ihre Freundin genannt hatte. Wußte sie überhaupt, das sie diese Versprechen binden würde?

"Und ich würde dieses Versprechen niemandem geben der es verlangen würde. Es war mein freier Wille und meine freie Entscheidung und meine Gründe." Die Tochter der Nacht hatte zu lange Zeit das leichtlebige Dasein ihrer "Geschwister" beobachtet. Wie sie glaubten an nichts und niemanden gebunden zu sein. Wäre es so schlecht, hier, am Ende der ihr bekannten Welt, jemanden zu finden, der diese Existenz wert war? Es war nicht schwer, dem Blick der Asiatin stand zu halten, denn Santura wusste sehr genau auf was sie sich eingelassen hatte und warum sie dies tat.

"Dann isst euer Sschickssal miteinander verwoben.", erklang die Stimme von Foulou im Raum und ein goldenes Strahlen legte sich über Santura und Mei-Lin, "Mögen die neuen Knoten, einen neuen Weg weissen."

Mei-Lin blickte auf und lächelte als sich vor ihr das Bild des Drachen kurz zeigte, dann sah sie wieder zu Santura und verneigte sich. "Ihr ehrt mich und meine Ahnen, Santura."


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