Kapitel 1 - Abendstunde

Die Sonne war gerade untergegangen, als Santura begann, die Augen noch geschlossen, sich erst einmal zu strecken. Die Augen noch geschlossen, begann Santura sich erst einmal zu strecken. Ihre innere Uhr verriet ihr, dass es Zeit war zum Aufstehen außerdem knurrte ihr Magen verräterisch. Langsam öffnete sie die Augen und erhob sich dann mit einer Geschmeidigkeit, die für einen gerade erwachenden Menschen ungewöhnlich war. Aber Santura war ja auch kein normaler Mensch. Kurz öffnete sie ihren Kleiderschrank und entschied sich dann für ein enges schwarzes Kleid mit langen Ärmeln. Einen Überwurf fand sie unnötig. Niemand würde sie sehen, wenn sie es nicht wollte. Dann erst öffnete sie das Dachfenster und sprang erst auf das Dach, von dort auf den Boden und machte sich auf den Weg in Richtung Stadt.

Heute Abend hatte ihr Vater Mei-Lin gestattet die Stadt zu besuchen und ihr sogar ein wenig Geld mitgegeben, es war zwar nicht die Welt, aber für sie war es ein Vermögen. Stilvoll hatte Mei-Lin ihre langen schwarzen Haar hinauf gesteckt und sich in ihr rotes Festtagsgewand mit den kurzen Ärmeln gekleidet. Dann zog sie noch einen langen Überwurf darüber, schließlich mußte nicht jeder sehen, wie sie darunter herumlief. Da die Wachen des Kaisers die Straßen kontrollierten, konnte man sich ohne Schutz sicher durch die Stadt bewegen. Mit leichtem Schritten lief sie die Straße entlang auf der Suche nach einem geeigneten Teehaus. Schließlich hatte sie das Amüsierviertel der Stadt erreicht und blickte sich neugierig um, das war es also, noch nie war sie bei Dunkelheit hier gewesen. Tagsüber waren hier nur kleine Stände und Teestuben, aber nun war es ganz anders. Sie ließ sich von ihren Füssen führen und achtete mehr auf alles andere, als ihren Weg.

Santura war zwar hungrig, doch im Moment mehr daran interessiert, die Menschen zu beobachten, die rund um sie waren. Seit ihrer Wiedergeburt beobachtete sie und versuchte zu verstehen. Doch so vieles, was sie früher vermutlich selbst gemacht hatte, war nun absolut unverständlich. Aus der Menge hervor stach ein Mädchen, das anscheinend ziellos durch die Gegend wanderte. Wer sie wohl war? Neugierig näherte die Vampirin sich ihr.

Mei-Lin blieb schließlich vor einem Teehaus stehen und blickte auf die Zeichen an der Seite der Tür, wo eine Preisliste war und ihre Augen weiteten sich. "So viel Geld, dafür bekommt man ja einen ganzen Beutel Tee.", kam es leise über ihre Lippen.

"Soll ich dich auf einen Tee einladen?", erklang eine sanfte Stimme mit leichtem Akzent hinter ihr. Santura hatte beschlossen, dieses Mädchen näher kennen zu lernen und war aus dem Schatten aufgetaucht und stand nun direkt hinter Mei-Lin.

Erschrocken fuhr sie herum und noch mehr erschrak sie, als sie die Fremde erblickte, welche sie angesprochen hatte. Sie war ein wenig kleiner als Mei-Lin und ihre tief blauen Augen ruhten auf ihr, ihr Gesicht wurde von roten Haar umrandet. Sie senkte ihren Blick, ihr Vater hatte immer gesagt, das Fremde nichts Gutes bringen. "Habt dank, aber ich ... ", sie suchte einen Grund, fand aber auf die schnelle keinen, statt dessen hafteten ihre Augen auf dem Kleid der Fremden - schwarzer Stoff, das war sehr teuer.

Santura lächelte freundlich und antwortete dann, "Keine Angst! Ich beiße nicht." Und bei diesen Worten wurde das Lächeln noch eine Spur breiter. "Ich bin nur fremd in dieser Stadt..." Oder zumindest war dies für die meisten Menschen ein akzeptabler Grund. Aufmerksam beobachtete Santura, wie die andere nun weiter reagieren würde.

"Mir ist es nicht erlaubt mit Fremden zu sprechen. Entschuldigt mich." Sie wollte sich wegdrehen und ganz schnell das Weite suchen, aber irgendwie reizte sie das Verboten und doch war da die Angst vor ihrem Vater.

"Du wolltest ganz allein in dieses Teehaus gehen? Ohne Unterhaltung?" Es war als spürte die junge Frau, dass Mei-Lin eigentlich doch auf einen Tee eingeladen werden wollte. Vielleicht mit der richtigen Überredung?

Mei-Lin schluckte und wurde leicht rot. "Es schickt sich für ein Mädchen nicht mit einer Fremden zu reden." Sie überlegte, was die anderen wohl sagen würden und sie malte sich aus, was ihr Vater mit ihr tun würde, wenn er davon erfahren würde und ein kurzer Schauer ließ ihren Körper erzittern.

"Nun... du kannst mich Santura nennen." Ein fast unhörbares Fauchen entkam der Vampirin als sie die Angst spürte. Und doch war sie jetzt nicht zum essen hier sondern weil sie Lernen wollte. Über diese Menschen und über das, was sie "Kultur" nannten. Waren diese Mädchen so wehrlos, dass sie niemand neuen kennenlernen durften? Oder war dies nur eine weitere Geisel der Männer? Immer noch war das freundliche Lächeln auf dem Gesicht während sie diese Überlegungen anstellte.

Aus reinem Reflex heraus antwortet sie, denn dass sie es wirklich wollte. "Mei-Lin Cha." Sie deutete eine leichte Verbeugung an und dann stockte sie wieder. 'Wieso spreche ich immer noch mit ihr?' Noch hatte sie ihren Blick nicht gehoben und wenn sie hier noch lange standen, würden die Leute aufmerksam werden. Aufsehen war das letzte, was Mei-Lin jetzt wollte, aber was konnte sie tun?

Auch Santura verbeugte sich leicht auch wenn sie bezweifelte, dass die Andere diese Verbeugung wahrnahm so wie sie die ganze Zeit auf den Boden starrte. "Wir könnten wirklich hinein gehen. Nachdem wir uns einander vorgestellt haben sind wir uns doch nicht mehr Fremd oder?" Der leichte Akzent wurde etwas deutlicher, dies war aber abgesehen davon, dass ihr Lächeln wieder etwas breiter geworden war auch schon das einzige Anzeichen, dass die junge Frau sich das Letzte nur ausgedacht hatte.

Jetzt blickte Mei-Lin auf und wurde rot. "Diesem Argument kann ich nichts entgegen setzen, Dame Santura." Mei-Lin legte die Hände in einander und verbeugte sich wieder. "Darf ich euch hineinführen?" ‚Hände ineinander legen? War dies hier so Brauch?‘ Santura ahmte die Geste nach und nickte dann leicht: "Gerne." Was würde als Nächstes kommen? Wie sah ein "hineinführen" wohl aus? Ob Mei-Lin sie dazu berühren würde? Santura wartete neugierig, was nun geschehen würde.

Die junge Chinesin ging die Stufen hinauf und trat durch die geöffnete Tür hinein, dann blickte sie sich um und forderte die Fremde mit eine leichten Verbeugung auf einzutreten, während sie selber in den Raum hinein ging und vom Wirt begrüßt wurde. Dieser hob die Augenbraue, als er die Fremde sah, aber dann lächelte er freundlich, denn so wie sie gekleidet war würde sie bestimmt genug Geld mitbringen. Schnell führte er sie zu einem Tisch in einer etwas verborgeneren Ecken.

Santura folgte dem Mädchen und bemerkte auch, wie der Wirt sie verwundert musterte. Das Lächeln auf ihren Lippen gefror eine Sekunde zu Eis, doch gleich darauf schien ihr Gesicht wieder so fröhlich wie zuvor und sie folgte dem Wirt und Mei-Lin zu dem Tisch, wo sie die Andere dann mit einer leichten Geste bat, sich nieder zu knien.

Mei-Lin ließ sich einen Wimmernschlag nach der Fremden nieder und bat dann den Wirt um eine Kanne Jasmintee und zwei Schalen, dieser lächelte und ging. "Ich hoffe, das es Euch recht ist, Dame Santura." Wieder deutete sie ein Verbeugung an.

Santura nickte, während sie ihre Gegenüber genauer musterte - Mei-Lin schien noch nicht ganz 20 zu sein und fast wirkte sie so, als wäre sie das erste Mal allein unterwegs. Oder war sie nur schüchtern? "Ich mag Jasmintee, Dame Mei-Lin." Tatsächlich wusste die Vampirin nicht, wie dieser schmeckte und ihr Magen war auch nicht darauf ausgerichtet diesen verdauen zu können, also spielte es keine große Rolle. Außer dem einen Nährstoff, der allein Santura am Leben hielt, schmeckte alles gleich.

Mei-Lin ließ ihren Mantel von den Schultern gleiten und dieser gab den Blick auf ihren schlanken Körper und eng anliegende rote Gewand darüber frei. "Es ehrt mich, das Ihr diesen Tee mögt, Dame Santura."

Kurz schweifte Santuras Blick über das Kleid, das unter dem Überwurf zum Vorschein kam und nahm es zum Anlaß ein Gespräch zu beginnen. "Ein schönes Kleid, dass ihr tragt, Dame Mei-Lin. Ist es selber genäht?" Aus der Küche näherte sich nun der Wirt und brachte den bestellten Tee. Wortlos mit einer Verbeugung stellte er ihn auf dem niedrigen Tisch ab und verschwand wieder. Diese Fremde war ihm nicht ganz geheuer, auch wenn sie ein teures Kleid trug. Durch seinen Beruf hatte der Wirt schnell gelernt, die Leute einzuschätzen.

Wieder wurde Mei-Lin rot und sie mußte leise kichern. "Ich bin keine Dame, so wie Ihr es seid. Ich bin nur ein einfaches Mädchen aus einer einfachen Familie." Sie nahm die Kanne und schenkte erst der Fremden und dann sich selber Tee ein. "Diese Kleid habe ich selber gewebt, meine Mutter hat mir das beigebracht, bevor sie vor fünf Jahren gestorben ist." Sie stockte, warum erzählte sie das der Fremden so einfach, was war an ihr so besonderes, das sie ihr ihre Familiengeschichte erzählte?

"Danke für den Tee." Erst dann dachte die Vampirin über das Letzte nach. Warum war sie eine Dame und Mei-Lin nicht? Was war wohl der Unterschied? Die Geschichte um Mei-Lins Mutter interessierte sie jedoch mehr. "Ich kann mich an meine Mutter nicht mehr erinnern." Und das war die Wahrheit. Santura konnte sich an fast nichts mehr erinnern was vor ihrem jetzigen Leben gewesen war. Hatte ihre Mutter ihr damals auch etwas beigebracht?

Vorsichtig nahm die Asiatin die Schale auf und sog den Duft durch die Nase ein. "Es ist schade, das Ihr euch nicht erinnern könnt." Dann hob sie die Schale und lächelte zaghaft. "Auf eine friedvolle Nacht."

Leise knurrte Santuras Magen als Mei-Lin die Nacht erwähnte. Irgend jemand würde in dieser Nacht noch eine Spur seines Lebens für die Tochter der Nacht geben müssen. Santuras Gesicht jedoch war nichts anzumerken und sie lächelte zurück. Auch sie hob ihre Schale und ahmte die Geste der anderen nach und tatsächlich: ein leichter Duft von Jasmin stieg in ihre Nase. "Auf eine neue Bekanntschaft"

Während sie trank, beobachtete Mei-Lin die Fremde und versank in ihren blauen Augen, in ihrer Heimat hatte nicht viele Leute blaue Augen und so war diese Dame etwas besonderes. Sie verschluckte sich, als sie sich bei diesen Gedanken ertappte und stellte schnell die Schale ab, dann drehte sie sich zur Seite und hustete. Es dauerte, bis Mei-Lin sich wieder beruhigt hatte, dann wandte sie sich mit roten Kopf der Fremden zu. "Verzeiht mir, Dame Santura."

"Verzeih mir wenn ich neugierig bin..." Absichtlich senkte Santura ihre Stimme etwas, so als täte ihre Neugier ihr tatsächlich leid, "... aber mir sind viele Bräuche hier noch fremd. Was macht eine Dame aus und warum bist du keine?" Die Jägerin in Santura war fasziniert von der anderen und beobachtete jede Bewegung. So einen Menschen hatte sie noch nie kennen gelernt. Warum nur wandte sie dauernd den Blick ab? Dort, wo die Vampirin herkam, galt es als unhöflich sein Gegenüber nicht anzusehen. War das hier anders?

"Nun der Stand unterscheidet die Dame von der Nichtdame. Da ihr ein Fremde seit und den weiten Weg hierher genommen habt müßt ihr wohl wohlhabend sein und von Stand. Daher seit ihr eine Dame."

Santura musste kichern. "Nun wenn das so ist bin ich keine Dame. Denn von Stand bin ich nicht und nur dem Zufall habe ich es zu verdanken dass ich hier bin." Nun... Die Vampirin würde sicher nicht erzählen warum sie aus Europa geflohen war. Jetzt musste sie sich nur noch eine gute Geschichte einfallen lassen.

Mei-Lin sah die Fremde an und schien zu überlegen, dann nickte sie und trank noch etwas Tee. "Es ist bestimmt ganz anderes, da wo ihr herkommt." Die Neugier war in ihr geweckt worden und sie konnte sich nicht wirklich dagegen wehren.

‚Wie hieß doch ein Sprichwort? Nachts sind alle Katzen grau.‘, dachte die Vampirin, aber natürlich traf das nicht ganz zu und es war offensichtlich, dass Mei-Lin etwas hören wollte, also würde sie ihr etwas erzählen. Immerhin hatte Santura schon lange genug gelebt um einige Geschichten zu kennen. "Es stimmt, es ist anders dort. Aber schön ist es hier wie in Europa."

"Dieses Land ist sehr weit im Westen?" Die Chinesin blickte ihre Gegenüber mit unverhohlener Neugier aus ihren felsgrauen Augen an und schien ihre Worte mit allen Sinnen aufnehmen zu wollen.

Santura schmunzelte kurz während ihr Blick nochmals über Mei-Lin glitt. "Alles in Europa ist doch von hier aus sehr weit westlich oder?" Die grauen Augen schienen wirklich interessiert zu sein, doch aus bestimmten Gründen wollte die Vampirin nicht verraten, wo genau sie herkam. Man wusste nie, wer zuhörte.

Mei-Lin nickte lächelnd und blickte in die Tasse der Fremden. "Wollt ihr noch Tee?" Eigentlich war es eher eine Verlegenheitsgeste, aber sie gab ihr Zeit.

"Gerne." Santura stellte ihre Tasse etwas näher zu Mei-Lin so dass diese wenn sie wollte einschenken konnte. "Aber erzählt: Seid ihr öfters in einer Teestube?"

Die Asiatin nahm die Kanne und schenkte der Fremden ein. "Ja und nein, das ist das erste Mal, das ich eine Teestube bei Nacht besuche."

Nun - das erklärte Einiges, zum Beispiel warum die Andere so schüchtern wirkte. Oder auch warum sie anscheinend ihr Festtagsgewand angelegt hatte. "Bitte - nehmt euch auch ein weiteres mal." Ja - erst musste der Höflichkeit gefolgt werden. Oder zumindest, so wie Santura bis jetzt glaubte, es verstanden zu haben.

Mei-Lin lächelte und schenkte sich selber ein, immer wieder huschten ihre Augen zu den tiefblauen von Santura und dann wichen sie ihrem Blick wieder aus. Sie war immer noch eine Dame, auch wenn sie es nicht zugab - weite Reisen kosten Geld und außerdem hatte diese sie ja hier in das Teehaus eingeladen. Sie stellte die Kanne wieder ab und wandte sich wieder der Schale zu.

"Auf was wollen wir trinken?", fragte die Vampirin und nutzte einen kurzen Moment in dem Mei-Lin wieder einmal aufsah und versuchte ihren Blick einzufangen und fest zu halten. Irgend etwas an der Anderen faszinierte sie und sie wollte unbedingt herausfinden, was genau das war.

Mei-Lin wollte sich wieder lösen, aber irgendwie versagten ihre Muskeln den Dienst. "Ich weiß nicht ... vielleicht sollte ich besser nach Hause gehen." Irgendwie hatte sie Angst und doch ließ sie ihre Neugier nicht sofort davon laufen, was vielleicht besser für sie wäre.

"Schade. Ist es schon so spät? Ich hatte ganz die Zeit vergessen." Oh ja - die Jägerin war aufgewacht und sie wusste, dass der Haken saß - Erst etwas locker lassen und dann... Aber wenn das Mädchen gehen wollte, sollte sie gehen. Die junge Frau war sicher, dass sie sich wieder treffen würden und lächelte deshalb weiterhin freundlich und entspannt.

Mei-Lin trank ihre Schale aus und verneigte sich. "Habt Dank für den Tee, Dame Santura." Mit diesen Worten zog sie den Umhang wieder über die Schultern und schloss die Knoten.

Ebenso wie ihr Gegenüber verneigte auch Santura sich: "Wie ich schon sagte: ich bin keine Dame. Aber es wäre schön, wenn wir uns wieder treffen könnten. Ich habe diesen Tee genossen und auch viel über dieses Land gelernt. Ich danke euch."

Mei-Lin blickte die Fremde an. "Ich muß viel und lange arbeiten, ich habe nicht oft Zeit, des Nachts in Teehäuser zu gehen."

"Das ist schade denn auch ich habe Tagsüber wenig Zeit." Oder besser gesagt: sie würde ganz sicher nicht freiwillig in die Sonne hinausgehen. Aber die Vampirin war neugierig, ob Mei-Lin einen Grund finden würde, sich doch nochmals zu treffen. Und wieder versuchte sie, den Blick der anderen fest zu halten.

Das Mädchen wollte sich erheben, aber diese Augen banden sie förmlich an den Boden, sie würde sich so schnell wie möglich wieder hierher begeben und bestimmt würde sie die Fremde auch wiederfinden. "Ich muß gehen." Es war eine Ausrede an die Tradition und an ihren Vater, denn für die Fremde.

‚Oh ja - Mei-Lin würde wieder kommen soviel war gewiß.‘ Und deshalb winkte Santura den Wirt herbei, um die Rechnung zu bezahlen. Geld war aus verschiedenen Gründen kein Problem, aber es würde sicher die aller meisten Menschen eher schockieren, wie sie es bekam. Und dann erhob sie sich von ihrem Platz, bat das Mädchen mit einer eher europäisch anmutenden Geste der Höflichkeit vor zu gehen.

Mei-Lin stand auf und zog den Umhang zurecht, dann trat sie hinaus auf die Straße und blickte sich um, bevor sie den Weg für die Dame freigab. "Möge Euer Nacht friedvoll sein." Sein legte wieder die Hände ineinander und verneigte sich.

Im Dunkel der Nacht war das nun beinah schon raubtierhaft anmutende Lächeln fast nicht zu sehen. Santura hatte inzwischen gewaltigen Hunger und sie würde sich jemanden suchen der diesen Hunger stillte. Doch erst einmal musste sie Mei-Lin verabschieden. So verbeugte sie sich ebenfalls. "Möge euer Schlaf dem der Kinder gleichen - ruhig und traumlos."

Santura wandte sich nach dieser Verabschiedung ab und ging ein kurzes Stück die Straße entlang, verschwand in den Schatten und aus den Augen der Menschen auf der Suche nach einem Opfer für diese Nacht. Fast als würde sie sich in Luft auflösen. Und kurz fragte sie sich, ob Mei-Lin ihr "Verschwinden" vielleicht beobachtet hatte...

Mei-Lin hatte sich auf den schnellsten Weg nach Hause gemacht und dort angekommen versuchte sie ihre Eindrücke zu verarbeiten...


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