Entscheidung - Alpha und Omega

(Songtext: Phil Collins - No way out)

Everywhere I turn
I hurt someone
But there's nothing I can say to change
The things I've done
Of all the things I hid from you
I cannot hide the shame
And I pray someone, something will come
To take away the pain

Langsam stieg der Mond über die Gemäuer, Corael kniete vor dem Altar und sah hinauf zu den Erzengeln. Alles war schiefgegangen die letzten Tage ... Sie waren vor zwei Tagen hier angekommen – zwei Gebrieliten, zwei Raphaeliten und je ein Mitglied der anderen Orden. Ein Teil der Engel kannte sie schon von früher, Gansekiel, Zeratiel und Zuriel, welche Sherafiel abgelöst hatte - alles war irgendwie seltsam abgelaufen. Erst schickte man die junge Raphaelitin mit ihr, damit sie ihr Wissen erweitert und dann zog man sie einen Tag später schon wieder ab ... Das war vorbei, nur noch so wenig war übrig geblieben, in den Augen der Bewahrerin der Schöpfung bildeten sich Tränen. Engel weinen nicht - hieß es einmal, doch Corael wußte es besser – sie hatte sie weinen sehen, auch wenn es Einige nur hinter ihren Augen taten, die Seelen der meisten Engel weinten, weinten und wußten zum Teil nicht warum. Doch sie wußte es genau, zum einen weinten sie um die Gefallenen und um das wovon nur die Wenigsten etwas wußten – die Kindheit. Auch wenn es ihre Geister nicht sahen, so wußte die Seele, was sie vermissten. Corael hatte früh, viel zu früh erfahren, was die Wahrheit ist – das Kind war irgendwo geblieben und der Engel hatte seinen Körper bezogen. Doch nicht nur dies ließ die Raphaelitin an diesem Tage zweifeln, vor wenigen Stunden hatte sie einen Freund verloren, gefallen durch den Dolch eines Ketzers und sie waren nicht rechtzeitig angekommen, um ihn zu helfen. Warum hatten sie sich teilen müssen? Warum waren sie nicht zusammengeblieben? Warum hatte der Herr seinen Ramieliten wieder zu sich gerufen?

There's no way out of this dark place
No hope, no future
I know I can't be free
But I can't see another way
And I can't face another day

Vor wenigen Momenten hatte sie ihrem zweiten Freund den Weg geöffnet, es hatte ihr das Herz zerrissen, auch noch ihn zu verlieren. Doch sie wußte, wenn sie es nicht getan hätte, würde es noch viel schlimmer werden - Blut war um vieles stärker, als Ausbildung und Drill, der Zwang unberührbar zu sein – Sie hatte den Falken fliegen lassen, um ihn den Raben jagen zu lassen, beide waren nun auf den Weg zu ihrem letzten Kampf. Warum hatte sie es zugelassen? Warum waren die Umstände so grausam zu ihnen? Wo lag der Plan? Verzweiflung rüttelte an ihr, während sie ein Votivband nach dem anderen abzulegen begann.

Tell me where
Did I go wrong
Everyone I loved
They're all gone
I'd do everything so differently
But I can't turn back the time
There's no shelter from the storm
Inside of me, ohoho

Corael hatte einen Entschluss gefaßt. Sie löste das letzte Band und ihr schwarzes Haar fiel über ihren Schulter und den Rücken hinab. Es war den meisten Engel ihres Ordens ein Geheimnis gewesen - kaum einer verstand, warum sie nicht, wie alle ihre Ordensgeschwister weiße Haare hatte. Es war ihre eigene Art der Meditation, sie hatte sich immer auf ihren Körper konzentriert und die Pigmentbildung ihrer Haarwurzeln am Leben gehalten. Vielleicht war es Eitelkeit, vielleicht war es Stolz, aber was auch immer es war, es machte sie zu etwas besonderen.

Die Bewahrerin der Schöpfung wischte ein paar Tränen beiseite und begann die Schnürung ihres Kriegsrockes zu lösen, als hinter ihr die Tür der Kirche geöffnet wurde, schwere Schritte näherten sich, auch wenn sie das Rascheln von Flügeln vernahm. Sie zog tief Luft durch die Nase ein und roch Feuer, ein Todesengel hatte die Kirche betreten und kam auf sie zu. Sie wußte nicht warum, aber sie wußte, dass er hier war sie zu richten... Ihr Gedanken kreisten, war ihre Zeit gekommen? Was warf man ihr vor? Sie hatte hier versagt und doch hatten sie diesen Ort ein wenig Frieden gegeben? ‚Herr, was soll ich tun?‘

There's no way out of this dark place
No hope, no future
I know I can't be free
But I can't see another way
Oh and I can't face another day

Corael sah hinauf zu den Erzengeln und die Augen von Gabriel und Raphael funkelten. Sie nickte ihnen zu und konzentrierte sich auf ihren Körper – es war Zeit, wenn diese beiden Erzengel ihr zulächelten, dann war es Zeit für den Kampf ... Adrenalin strömte und sie spürte, wie ihre Muskeln sich mit Energie füllten. "Bist du gekommen mich zu richten?", fragte sie und in einer gleitenden Bewegung erhob sie sich umdrehend. Ihr Kriegsrock glitt zu Boden, nichts sollte sie in diesem Kampf behindern, schließlich mußte sie nun beweisen, dass sie es wert war, noch auf dieser seiner Erde zu wandeln. Die Augen des Gabrieliten funkelten sie eisig kalt an, die Klinge in seiner Hand brannte rot. Sie zog ihr Langschwert blank und atmete tief ein. "Du willst das Haus des Herr und der Erzengel mit dem Blut eines Engels tränken?" Sofort erhielt sie eine Antwort, die Klinge es Gabrieliten schoß auf sie zu und in letzten Moment brachte Corael das Schwert zwischen sich und den Schlag ... doch ihre Kraft reichte bei weitem nicht gegen den Todesengel, sengender Schmerz raß sich in ihren Oberschenkel und sie wußte, dass ihre Zeit gekommen war. Noch bevor das Schwert wieder aus der Wunde gerissen wurde, ließ die Bewahrerin der Schöpfung ihre Klinge los und ihre Hände schnellten vor auf Brust und das Handgelenk des Angreifers. "Verzeih, Herr. Ich bezweifle den Ratschluss deiner bodengebundenen Abgesandten." Ihre Energie strömten durch den Engel und dieser sah sie mit großen Augen an, dann spürte sie, wie sich Dornen durch ihre Handflächen und Hangelenke bohrten - Gottes Rüstung. Die Erzengel halfen ihnen also beiden... Ihr Schwert landete klirrend auf dem Boden ... der Gabrielit hob sein Schwert erneut und ließ es auf die Raphaelitin niedersausen, mehr aus einem Reflex heraus, als aus irgend einer überlegten Handlung heraus warf sie sich beiseit und ihr Bein ließ es sie sofort spüren. Der Schmerz nahm ihr fast das Bewußtsein, doch der Schlag kam nicht mit der vollen Wucht und verfehlte ihren Körper um Haaresbreite, doch das Feuer brannte über ihre Haut. Auch der Todesengel sackte auf die Knie und wollte sein Schwert erneut heben, aber sein Körper versagte den Dienst. Die Flammen des Schwerts erloschen, als die neben der Klinge von Corael zu Boden ging. Corael verlor das Bewußtsein ... ihr Körper machte das, was er auch in all den Jahren getan hatte, in welchen sie auf seiner Erden wandelte, er begann sich selber zu heilen.

Langsam kehrte wieder Leben in den Körper der Raphaleitin zurück, vorsichtig schlug sie die Augen auf. Wo würde sie sein? Beim Herrn oder gefangen von den Jägern? Ihr Augen brauchten einen Moment, aber dann sah die Raphaelitin in besorgt dreinschauende eisblaue Augen und im Hintergrund, war die Kuppel der Kirche. "Sind wir tot?", fragte Corael vorsichtig und Zuriel schüttelte den Kopf. "Wir haben nicht viel Zeit, so wie es aussieht sind ein Michaelit und vier Gabrieliten mit den Auftrag hier, alle Ketzer zu richten, im Moment scheinen sie ihre Suche auf den Rest des Klosters zu konzentrieren. Wir müssen weg." Corael prüfte ihren Körper und stellte fest, das bis auf das ziehen am Oberschenkel, dieser wieder intakt schien. Vorsichtig blickte sie sich um und sah den Gabrieliten zwischen ein paar umgestürzten Bänken liegen. "Wie geht es ihm?" "Er schläft, du hast ihn schlafen geschickt, obwohl er dich töten wollte. Warum? Er wird uns verfolgen, falls sie es bemerken, dass wir noch am Leben sind und dann wird er den Fehler bestimmt nicht wiederholen, dich an sich heran zu lassen." Corael strich Zuriel über die Wange. "Wir müssen uns immer erinnern, was unsere Bestimmung ist, sonst sind wir wirklich gefallen." Ihre Ordensschwester nickte. "Kannst du fliegen?" "Ich werde es müssen."

I can't believe the words I hear
It's like an answer to a prayer
When I look around I see (oh, I can see)
This place, this time, this friend of mine, oh yeah
I know it's hard but you found somehow
To look into your heart and to forgive me now
You've given me the strength to see just where my journey ends
You've given me the strength to carry on, ohoho

Sie verließen die Kirche durch eine der Seitentüren, der Gabrielit war immer noch am Boden, würde aber bald aufwachen. Die Raphaelitinnen entfalteten ihre Schwingen und erhoben sich in die Luft ... niemand schien sie zu bemerken, zumindest folgte man ihnen nicht.

"Was werden wir nun tun Schwester? Zurück können wir nicht mehr." "Wir werden das tun, wozu wir auf die Erde geschickt wurden." Sie nickte. "Bis er uns zu sich ruft. Wir sind die Engel des Herrn. Boten des Lichts. Wir sind hier um das Leben zu schützen und es zu bewahren."

Wieder wurden die Schwingen ausgebreitet und sie erhoben sich in die Dunkelheit der Nacht.

I see the path from this dark place
I see my future
Your forgiveness has set me free
Oh and I can see another way
I can face another day, yeah

(I see the path) I can see the path
(I see my future)
I see the path from this dark place
I see my future


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