Sally's Tagebuch

I. Landgang

Der Tag des Zusammentreffens war gekommen. Heute sollte sie Sellina Angie Loki Leo Yurenu Qu‘i‘san, Herzogin von Loch Dalachalloch und Tochter von Ki‘hana, an die Oberfläche gehen. Cosima, die Tochter des Lords des hier ansässigen Hauses Fiona hatte Geburtstag. Mutter hatte diesen Tag ausgewählt und es war nur mit den Lord abgesprochen worden.

Sally kämmte ihr azurblaues Haar. Sacht spielten die Strömungen durch ihre Höhle und brachen das Licht der Feensteine. Sie betrachte ihr Spiegelbild. Ihre samaragdgrünen Augen sahen sie an.

‚Nun Prinzessin, das ist heute das erste Mal, das ihr offiziell an die Oberfläche dürft und das in diplomatischer Mission.‘

Sie lächelte und betrachtete das Geschenk, welches sie von Ki‘hana erhalten hatte. Sanft strichen ihre Finger über das weiße Seehundfell. Ein wertvolles und mächtiges Geschenk

Es klopfte. "Prinzessin. Es wird Zeit, wir sollten aufbrechen."

"Einen Moment, Fenja. Ich komme gleich."

Alles ihre Sachen waren bereits verstaut worden, so blieb ihr bloß noch das Geschenk zu nehmen. Sie schwamm hinaus, draußen warteten Fenja und Bryta, ihre besten Freundinnen, und so wollte es das Schicksal ihre Hofdamen, sowie zwei Wachen ihrer Mutter. Alle trugen sie die rituelle Kleidung und Waffen des Meervolkes.

"Eure Hoheit. Wir sind Ragnar und Syktryk." Sie neigten kurz ihr Haupt. "Eure Mutter wünscht, das wir Euch begleiten."

"Dann seit mir willkommen. Wir brechen sofort auf."

Ohne ein weiteres Wort schwamm sie los dem Ufer entgegen. Ihr beiden Freundinnen schloß zu ihr auf und Ragnar schwamm vor, während Syktryk folgte.

"Sally, hast du nicht was vergessen?", fragte Fenja.

Sally sah sie verwirrt an und dachte nach.

‚Das Geschenk hatte sie ihre Kleidung war angemessen...‘

"Dein Stab?" unterbrach Bryta ihre Gedanken.

"Oh ihr habt recht." Im Stillen rief sie seinen Namen und er erschien in ihrer Hand.

Vor ihnen zeigte sich das Ufer von Loch Dalachalloch, Ragnar verhieß sie anzuhalten, dann schwamm er vor und erkundete. Nach kurzer Zeit war er wieder da.

"Eure Hoheit, der Weg zum Schloß ist frei."

 

Sie schwamm vor, ihre beiden Hofdamen leicht hinter versetzt, dahinter die Wächter. So wie sie das Wasser verließen verwandelten sich ihre Unterleiber von Fisch zu Mensch und auch ihre Kleidung paßte sich an. Es war ungewohnt, sein ganzes Gewicht selber zu tragen und das ohne den Auftrieb des Wassers.

Die Torwächter der Burg schauten dem Ganzen interessiert und neugierig zu. Sie wagten es nicht Sally und ihr Gefolge aufzuhalten.

"Zeigt uns den Weg zum Thronsaal!", flüsterte Fenja einem der Wächter zu und wie aus dem Nichts erschien unmittelbar vor ihnen ein Heinzelmännchen.

"Wenn sie mir bitte folgen wollen, ihre Lordschaft erwartet euch bereits und die Feier ist im Gange."

Es brachte sie bis zur Tür. Sally sammelte sich und trat ein das Geschenk auf dem Arm. Die Gasse der Gäste wurde noch breiter und sie bemerkte wie ein Teil sie anstarrte. Ihrer Position angemessen schritt sie aus und verneigte sich kurz vor dem Lord. Danach wandte Sally sich Cosima zu.

"Für Euch, Cosima." Und hielt ihr das Geschenk hin, sie nahm es mit leicht feuchten Augen an.

Sally schritt auf eine der Seitentüren zu, welche vor ihnen geöffnet wurden und begab sich zu ihren Gemächern.

 

‚Uff, endlich ist der offizielle Teil vorbei, jetzt würde die Party folgen.‘, dachte Sally.

"Das kurze Kleid bitte, Fenja."

"Sehr wohl.", sagte diese mit einem Lächeln auf dem Lippen.

Sally begann sich umzuziehen und öffnete den Haarknoten und ließ sie locker über ihre Schultern fallen.

"Ich würde sie zu lassen, Sally. Sonst sind sie am Ende noch ganz verknotet. Hier ist kein Wasser, welches sie auseinanderhält.", gab Bryta zu bedenken.

"Du hast recht, wie immer. Ragnar und Syktryk, ihr werdet hier bleiben und auf unsere Umhänge achten."

"Aber, Euer Hoheit.", entgegnete Ragnar, "Wir sollen euch beschützen."

"Wenn mich dieser Hof nicht schützen kann, werde ich einen Weg zurück finden. Außerdem werden Byrta und Fenja mich begleiten."

Ragnar wollte noch etwas sagen, aber Sally winkte ab.

"Ich wünsche es so."

"Jetzt können wir dich auf diese Burgfeen loslassen."

Sally betrachtete sich in Spiegel und lächelte.

 

Zusammen mit ihren Freundinnen betrat sie den Ballsaal.

"Geht und amüsiert euch."

Byrta sah sie fragend an.

"Ich werde alleine klar kommen. Ich will, das ihr Euch amüsiert, wenn ihr bei mir bleibt, werdet ihr nur mit mir reden können. Geht."

Die Beiden verneigten sich und mischten sich unter die Feiernden. Sally sah sich um, mit wen sollte sie sich unterhalten? Sie ging die Stufen hinab, die Anwesenden wichen ihr aus, meist sehr dezent, doch Sally spürte es.

Nach einer Weile gab sie es auf und ging hinaus auf den Balkon. An der Brüstung blieb sie stehen und sah traurig hinaus.

‚Warum wollte ich nur hierher kommen? Hier spricht nicht einmal der Adel mit einem. Ein Fest sollte es werden...‘

Jemand trat neben sie, sie spürte ihn ohne zu sehen.

"Eine schöne Nacht, wie ich sehe bin ich nicht der Einzige, der gemieden wird."

Irgend etwas wischte ihre Gedanken beiseite, Sally drehte sich herum und sah in schon sehr alte Augen.

"Wenn ich mich vorstellen darf, Sellina Angie Loki Leo Yurenu Qu‘i‘san."

"Leafin."

Etwas in ihr erinnerte sich.

 

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