Felja's Tagebuch

Kapitel I * Kapitel II

 

I. Los Angeles – Die Ankunft

Lange hatte Felja auf diesen Tag gewartet, endlich durfte sie wieder in die Stadt, die ihr soviel bedeutete. Samuel ließ sie ziehen, 10 Jahre lange hatte er sie Alles gelehrt, was sie als Vampir wissen mußte. Ihre Augen wurden feucht, als sie ihn die Hand schüttelte, wahrscheinlich würde sie ihn für lange Zeit nicht mehr sehen. Sie dachte zurück...

Felicitas Winter, dies war ihr Name gewesen, sie war ein erfolgreiches Modell für Outdoor-Kleidung, Campingzeug und andere Sachen, die man in freier Wildbahn brauchen konnte, gewesen. Sie hatte gut damit verdient und ihre "Naturfilme" hatten ihr einen Ruf auf Tierschützerin und Wildnisliebhaberin eingebracht. Frank ihr Kameramann hatte es immer gekonnt geschafft die Tierdresseure aus dem Film zu lassen. Das hatte sie nie gestört, obwohl es ihr in der Stadt deutlich besser gefiel, als auf dem Land.

Nach einem Dreh in dunkler Nacht passierte es schließlich. Felicitas hatte tief und fest geschlafen und nicht bemerkt, wie sich Samuel in ihren Wohnwagen geschlichen hatte. Sie hatte nur noch bemerkt, wie sich Fänge in ihren Hals gruben und er ihr Blut trank. Schreien konnte sie nicht und sich gegen den Vampir zu wehren, lag jenseits ihrer Möglichkeiten. Das Leben wollte ihren Körper verlassen, doch der Geschmack von Blut in ihrem Mund hielt sie zurück. Gierig trank sie jeden Tropfen, den er ihr gab, denn im Stillen hoffte sie so ihren eigenen Blutverlust zu kompensieren. Schließlich schlief sie ein.

"Frank.", Feli schreckte hoch, draußen war es dunkel, ‚Ein Traum, ein seltsamer Traum.‘ Sie wollte Frank unbedingt davon erzählen. "Frank?", rief sie erneut, doch keine Antwort, ‚Wo war der Kerl schon wieder?‘ Feli erhob sich und sank gleich wieder zurück, Schmerz brandete durch ihren Körper und sie verspürte Durst. Mühsam schleppte sie sich zur Küchennische des Wohnwagens hinüber. ‚Ein Königreich für ein Glas Wasser.‘ Sie öffnete den Kühlschrank und fand was sie suchte, zwischen all dem Blutkonserven, welche sie für die "Jagdaufnahmen" der Tiere benutzten, fand sie eine Flasche Cola. ‚Vielleicht sollte ich gleich noch was essen.‘ Mit Sandwich und Cola bewaffnet ging sie zurück und begann ihre Mahlzeit einzunehmen. Als sie fast fertig war spürte sie einen Brechreiz und rannte zur Tür. Draußen gab sie alles was sie gerade gegessen hatte wieder von sich. Ihr war speiübel, so beschiessen hatte sie sich seit einer Ewigkeit nicht mehr gefühlt. Wieder würgte es sie und erneut schrie sie den Busch vor sich an...

So hatte es begonnen, dies war ihr erstes Erwachen als Vampir gewesen. Elegant schwang sie sich auf das Motorrad, welches Samuel ihr geschenkt hatte.

"Leb wohl, mein Freund und halte dich von der Sonne fern.", sagte Felja und warf ihm eine rote Rose zu, "Wir werden uns wiedersehen!"

"Das werden wir, Wildkatze, das werden wir!"

Sie startete die Maschine, winke ein letztes Mal und machte sich auf den Weg nach Los Angeles. Die Stadt der Engel, aber nachdem was Samuel ihr erzählt hatte, war sie Alles anderes, als ein Paradies. Nun sie würde es selber herausfinden müssen.

 

Felja genoß den Fahrtwind in ihrem Gesicht, LA lag bereits vor ihr und sie freute sich auf das Großstadtleben, welches sie nun schon so lange entbehren hatte müssen.

‚Endlich wieder mal Shopping‘, dachte sie, als sie aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm. Ein Dose flog auf sie zu, aber Felja wich ihr aus und brachte ihr Motorrad keine 30 Meter später zum stehen.

‚Es hat etwas Gutes, wenn man Vampir ist.‘, stellte sie fest und sah sich nach dem Werfer um. Der kam auch schon froh gelaunt angelatscht. Seine Statur war schon beeindruckend, aber Felja war auch nicht ohne. Sie schwang sich von ihrem Motorrad, nahm den Helm ab und wartete sie ruhig ab.

"He Süsse! So allein in dunkler Nacht, da lauern die unmöglichsten Typen.", sagte er und wollte sie anfangen zu betatschen.

Sie wich seinem Griff aus, "Was glaubst du, wer du bist?", dieser Möchtegern Casanova ließ nicht locker und versuchte es erneut. Seine Bewegungen waren zu schnell für einen Menschen und seinem Auftreten kam nach, nur einer der Clans in Frage, Brujah.

"Jetzt mach hier keine Zicken.", schnauzte er.

"Und was wenn doch?", fragte sie und begann ihre Muskel mit Blut zu füllen.

"Dann kannst du was erleben.", meinte der Typ mit süffisantem Lächeln.

"Okay."

Felja riß ihren Fuß hoch und landete den Treffer genau zwischen seinen Beine. Der Brujah flog in einem hübschen Bogen davon und sie setze sich wieder auf ihr Motorrad. Ohne ihn aus den Augen zu lassen startet sie die Maschine und fuhr weiter. Der Typ hatte sich schneller als erwartet wieder aufgerappelt und lief ihr nach. Felja drehte den Gashebel, aber es dauerte eine Weile, bis er es aufgab. Sie hoffte, dass sie diesen Typen nicht so schnell wieder sah, den beim nächsten Mal war er bestimmt nicht allein.

 

Ihre Fahrt führte sie in einen der Einkaufsmeilen der Stadt, denn so, wie sie jetzt aussah, wollte sie sich bei Niemanden vorstellen. Was würde sie für einen Eindruck machen, wenn sie im Holzfäller-Outfit vor den Prinzen trat oder... egal. Ihr erstes Ziel war ein Motorradshop, in dem sie sich eine Lederkluft zulegte, danach brauchte sie noch etwas für den Club und schließlich noch für den Besuch bei der Prinzessin. Ihre neuen Kreditkarten wurden überall anstandslos angenommen und der Verkäufer bei Versage hatte sie doch tatsächlich mit Felicitas Winter verglichen. Feli hatte sich zurückhalten müssen, um nicht zu sagen, das sie es wirklich war. Nach drei Stunden verließ sie das Kaufhaus wieder und begab sich zu der Wohnung, welche Samuel für sie besorgt hatte.

 

Felja mußte sich sputen, die Sonne würde in drei Stunden aufgehen und sie hatte sich noch nicht beim Prinzen vorgestellt. Sie rief sich ein Taxi und ließ sich zur Residenz bringen. Es dauerte eine Weile bis sie vorgelassen wurde. Sie betrat den Thronsaal, welcher eher wie ein Atrium aussah. Ein Säulengang umsäumte den nach oben mit einer Glaskuppel überstülpten Raum. Kleine Bäume waren neben den Wegen gepflanzt und in der Mitte erhob sich ein majestätischer Brunnen, in filigraner Schönheit. Felja hatte viel erwartet, aber das überraschte sie doch. Andächtig schritt sie den Weg entlang, feiner Sand knirschte unter ihren Füßen und die Stöckelschuhe machten es ihr nicht gerade einfach. Sie sah in das Wasserspiel des Brunnens und hätte fast gar nicht das junge vielleicht vierzehnjährige Mädchen bemerkt.

"Nun?", fragte dieses.

Felja hob ihren Blick, dann registrierte sie, dass sie vor der Prinzessin stand.

"Ihre königliche Hoheit, Prinzessin Viviane Laffont.", Felja verneigte sich, "gestattet mir, das ich mich vorstelle." Sie verweilte, den Blick gesenkt, in dieser unbequemen Position.

"Ich gestatte es."

"Mein Name ist Felja, von Clan der Gangrel."

Es dauerte eine kleine Ewigkeit bis sie Antwort bekam, "Und was wollt ihr?"

"Ich bitte um das Bleiberecht in Eurer Domäne, Los Angeles." Felja´s Augen waren immer noch auf die Schuhe der Prinzessin gerichtet und diese wandten sich dem Brunnen zu.

"Ein schöner Brunnen, nicht wahr?"

"Ja. Sehr ansprechend, wie der Rest dieses Saales."

"Oh.", entfuhr es der Prinzessin, "Ihr dürft Euch erheben."

Felja war erleichtert und richtet sich auf.

"Danke, Euer Hoheit."

"Mir scheint Ihr habt eine gute Erziehung genossen, wie sie eigentlich nicht beim Clan Gangrel zu vermuten ist.", eine kurze Pause, "Aber ich lasse mich gern positiv überraschen. Ich gestatte es Euch frei zu sprechen." Eine kleine Unterhaltung über Dies und Jenes schloß sich an...

 

... Ein leises Piepen kam von Felja Armbanduhr.

"Was ist das?", fragte die Prinzessin.

"Eine Erinnerungshilfe, das in einer Stunde die Sonne aufgeht. Wenn Ihr gestattet, möchte ich mich jetzt verabschieden."

Die Prinzessin lächelte, "Ihr dürft."

Felja verneigte sich und verließ den Raum.

"An Euch ist eine Rose verloren gegangen, Felja."

Die Türen des Thronsaales wurden hinter ihr geschlossen. Einige andere Vampire sahen sie böse an, sie wollten scheinbar auch noch diese Nacht zur Prinzessin und sie war über eine Stunde bei ihr gewesen. Sie sollten denken was sie wollten, es war ihr egal.

 

II. Der erste Eindruck

Felja erwachte kurz nach Sonnenuntergang, sie streckte sich und öffnete die Balkontür. Eine weitere wunderschöne Nacht, der Smog ließ auf sich warten und das war gut so. Sie lehnte über der Brüstung und sah hinab in den Park.

‚Eine gute Wahl, Samuel.‘, grinste sie, aber was würde sie schon von einem Gangrel erwarten. Er würde, wenn er nicht im Wald schlief, zumindest den Blick auf einen Park haben wollen, wenn er aufwachte. Felja war glücklich. Der Terminplan dieser Nacht sah vor einen gewissen Zed zu suchen, um sich in die Bevölkerungsstatistik aufnehmen zu lassen. Dieser sollte angeblich im "Rose" sein, einem der Elysien der Stadt und außerdem, mußte sie sich noch beim Obersten ihres Clans in L.A. vorstellen. Sie verließ den Balkon wieder und zog sich passend für einen Clubbesuch an.

Unten auf der Straße hielt Felja nach einem Taxi Ausschau und es dauerte keine zwei Minuten, bis sie schließlich in einem saß. Zuerst wollte sie zu ihrem Clansoberhaupt und danach ins "Rose". Während der Fahrt dachte Felja nach, womit man Geld verdienen konnte. Draußen auf dem Land war es relativ einfach gewesen ein paar Tierfilme zu drehen und sich sein Geld zu verdienen. Die Stadt bot da schon weniger Möglichkeiten, für diese Art der Beschäftigung.

‚Modell? Nein, danke. Ich erinnere mich zu gut was es mir das letzte Mal eingebracht hat.‘

Felja hatte ein kleine Filmfirma draußen in einem der Vororte. Diese war bei Charli in guten Händen, mit den Filmchen und Dokumentationen trug sich selbst und warf noch einen kleinen Gewinn ab. Felja hatte bereits eine neue Reporterin ausgesucht und mit Charlis Hilfe konnte sie es weit bringen.

‚Andere Modell für sich arbeiten lassen. Nein, auch nicht. Die mußte man ständig unter Aufsicht halten. Mit Sicherheit zuviel Arbeit, auf die sie keine Lust hatte. Also was dann?‘ Felja versank wieder in ihren Gedanken.

"Sicherheit!", entfuhr es ihr laut und der Fahrer zuckte zusammen.

"Alles in Ordnung, Lady?"

Felja ließ ihr Gesicht leicht rot werden, "Entschuldigung, ich wollte sie nicht erschrecken. Meine Gedanken.", sie zuckte mit den Achseln. ‚Ich sollte bei einer Sicherheitsfirma einsteigen. Dann hätte ich ein paar gute Änderungsvorschläge einzubringen.‘

 

Der Besuch bei ihrem Clanelder war schnell vorbei und sie war auf dem Weg zum "Rose". Von Außen erinnerte es sie eher an eine Rockerkneipe, denn einen Club, viele schwere Motorräder und ein paar wenige Autos. Sie zahlte das Taxi und ging zum Eingang, welcher von zwei stattlichen Mannsbildern flankiert wurde. Sie wurde kurz gegrüßt und eingelassen. Drinnen brodelte ihr Musik entgegen, Menschen und Vampire tanzten, tranken und hatten Spaß. Felja lebte auf, endlich wieder Party und war auch schon auf der Tanzfläche. Nach einer Weile ging sie hinüber zur Bar und bestellte sich einen der speziellen Drinks.

"Hallo Felja.", sie sah sich um. Ein Mann trat auf sie zu.

"Darf ich mich kurz vorstellen. Shade. Ich will dir ein wenig über die Stadt erzählen."

Sie stutzte, "Warum eigentlich nicht, wenn ich dich auf ein Drink einladen darf?"

Er nickte, bestellt sich etwas Besonderes und ging mit ihr in eine ruhige Ecke, in der schon ein anderer Mann saß.

"Das ist Wither, er ist auch neu und bevor ich es zwei Mal erzähle. Dann erzähl ich es euch beiden zusammen, wenn keiner was dagegen hat? Wither, das ist Felja. Felja, das ist Wither."

Ein interessanter Abriß über die Clansgebiete, Whips, Clanelder und Gepflogenheiten von Los Angeles folgte, danach ließ er sie einfach sitzen. Felja ging wieder an die Bar, mit einem kleinen Abstecher über einen Nebenraum, aus dem ein paar seltsame Geräusche gekommen waren. Drüben fand sie aber nicht, oder sollte man sagen zum Glück. Ihre Neugier würde sie irgendwann bestimmt umbringen, aber nicht dieses Mal.

 

Auf der Bühne hatte inzwischen eine verdammt gute Show begonnen, Musik verschiedener Gruppen und der Sänger sah immer, wie der Frontmann der entsprechenden Gruppe aus. Es schien, als riß er sich jedes Mal eine Maske von Gesicht, Felja wußte es besser.

"Vielleicht sollte ich die unter Vertrag nehmen.", kam es ihr unbeabsichtigt über ihre Lippen.

"Das bezweifele ich." Felja sah sich um, ein Mann stand in ihrer Nähe und prostete ihr zu.

"Ihre?", fragte sie und deutet auf die Bühne.

Er nickte. "Gut, nicht?"

"Ja.", irgendwoher kannte sie ihn und als er sich vorstellte, wußte sie woher.

"Gestatten, Zed."

"Felja, ich soll in die Einwohnerliste der Stadt aufgenommen werden und Wither, da drüben auch." Sie erledigten schnell die Formalitäten und wandten sich wieder dem Geschehen zu.

"Kann hier Jeder auftreten?"

"Eigentlich schon, aber er muß Angelo, den Besitzer, von seinem Talent überzeugen.", meinte Zed.

"Klingt interessant, ich wüßte doch mal gerne, ob meine Stimme noch gut ist."

Sie unterhielten sich noch eine Zeit lang, dann brachte Zed Felja und Wither schließlich zu Angelo und dieser führte sie in ein Tonstudio, welches über dem Club lag. Felja entschied sich "Erinnerung" aus ihrem Lieblingsmusical "Cats" zu singen. Wither gab ebenfalls sein Bestes, aber seine Stimme war nicht, so geübt. Nach kurzer Diskussion kamen sie überein, das sie Auftreten konnten und Zed bot sich an die Bühnengestaltung nach ihren Vorschlägen zu übernehmen. Felja bimmelte Charli noch aus dem Bett, damit er ihr ein paar der nächtlichen Landschaftsaufnahmen vorbei bringen sollte. "Daugther of the Midnight Sun" von Cecila war das Stück, welches sie sich ausgesucht hatten. Felja konnte ihren Stimmumfang zeigen und Wither hatte Sprechgesang. Sie waren zuversichtlich und setzten die Vorstellung für einen der nächsten Abende an. Zed lud sie ein, bei sich zu Übernachten und sie nahmen das Angebot war. Die Vorstellung wurde ein voller Erfolg und sie hatten sich das Recht verdient, jederzeit wieder hier aufzutreten.

 

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