Engel - Ver(w)irrungen

Hauptschreiber: Zed und Tjörn         In vielen Nebenrollen: Papa Baer

Eine Geschichte vor dem Hintergrund des Engel Rollenspieles - aber seid gewarnt, es ist nicht alles so umgesetzt, wie es im Regelwerk steht. Aber warum sollte es eigentlich nicht so geschehen? Der Link hier führt euch auf eine der großen Engelseiten, wo man Vieles nachlesen kann und Begriffe erklärt werden.

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Irgendwie schien Taito das Pech zu verfolgen. Scheinbar war es nicht genug, dass selbst die zwei Jahre jüngeren Novizen ihn im Schwertkampf besiegte, und das ganze Kloster ihn zu hänseln schien.

Selbst der Ab des kleinen Klosters würde diesmal sehr enttäuscht von ihm sein. Eigentlich mochte er den Ab... er war alt, und ihn Umgab eine Aura der Würde und der Weisheit. Taito liebte es, den Geschichten des Ab zu lauschen, und seiner Phantasie dabei freien Lauf zu lassen. Natürlich – alle liebten die Geschichten des Ab, aber alle anderen wollten nur Geschichten von den vielen gossen Schlachten hören, und den Heldentaten, die der Ab in seinen jungen Jahren als Templer der Gabrieliten vollbracht hatte. Aber bei dem Teil hörte Taito meistens Weg. Ihm war das endlose Töten zuwider, und er war heilfroh, dass er die Fähigkeiten, die seine Ausbilde ihm über die Jahre mühsam eingepaukt hatten, noch nicht hatte Anwenden müssen.

Was Taitos Phantasie beflügelte, waren die unglaublich farbenfrohen Beschreibungen der Landschaft, oder wenn der Ab von der Zeit zwischen den Schlachten erzählte... Wie dieser seine langjährige Lebensgefährtin, eine Ramielistemplerin kennen gelernt hatte, was es den Ab alles gekostet hatte, die Frau seines Herzens zu erobern – und wie er sie wieder verloren hatte. Sie war gestorben bei der Geburt ihres ersten gemeinsamen Kindes, das ebenfalls nicht überlebt hatte.

Das war ein Wendepunkt im Leben des jetzigen Ab gewesen. Er hatte dem Kampf entsagt, und war ein einfacher Monach geworden.

Und selbst der würde enttäuscht sein, dass Taito es nicht einmal mit der Hilfe des im Kloster stationierten Engels zuwege gebracht hatte, eine einzelne, kleine Traumsaatkreatur zu finden, welche die Bewohner eines der umliegenden Dörfer bedrohte. So sehr es auch nach einer faulen Ausrede klang – sie hatten einfach keinen Hinweis darauf gefunden, dass sich dort wirklich Traumsaat aufhielt. Und Taitos Beobachtungsgabe hatte sonst selbst den Ab immer wieder erstaunt.

Taitos Gedanken bewegten sich im Kreis, rotierten um sein eigenes Versagen, und um das, was passieren würde, wenn sie im Kloster endlich ankamen: Alle würden sie ihn auslachen, so hinter seinem Rücken tuscheln, dass er es auch ja hörte, und sich über seine Unfähigkeit lustig machen.

Aber das schlimmste an Taitos Situation war, dass der Engel, Arakiel ihm offenbar seine Unzulänglichkeit demonstrieren wollte, indem er gemächlich neben ihm her schritt, anstatt seine Flügel zu benutzen. Denn dann wäre er schon längst wieder beim Kloster.

Flügel... gleichzeitig faszinierend und unglaublich schön, ehrfurchterweckend und doch irgendwie beängstigend waren sie für Taito. Jedes Mal wenn er sie erblickte, regte sich in ihm der unbändige Wunsch, sich einfach in die Luft zu erheben, und allem zu entfliehen, was ihn am Boden hielt und quälte. Gleichzeitig war es für ihn jedes Mal en weiterer Stich in sein ohnehin gemartertes Herz. Denn er war ein Mensch – zwar ein Geschöpf Gottes, doch Minderwertig, eine Fehlkonstruktion, oder wieso mussten sonst die Engel den Menschen beistehen? Wieso waren sie Unfähig, sich selbst wirkungsvoll der Klauen des Herrn der Fliegen zu widersetzen? Weil Gott es so gewollt hatte? Oder weil er einen furchtbaren Fehler begangen hatte, eine kleine Unachtsamkeit, als er den Menschen erschuf... aber wieso korrigierte er seinen Fehler dann nicht?

Eigentlich wollte sich Taito nicht ständig zu dem Engel umsehen, seine schlanke Gestalt, seine ehrfurchterweckende Erscheinung, den schlanken Körper und die Formvollendeten, wunderbaren Flügel betrachten, und jedes Mal, wenn er es Tat, schalt er sich Innerlich über seine Torheit, sich selbst so sehr zu foltern, und gleichzeitig ein Vollkommenes göttliches Wesen mit seinen Blicken zu beleidigen.

Während er so weiterging hörte Taito ein rascheln, und als er sich wieder umblickte sah er, dass der Engel begonnen hatte, seine Flügel auszubreiten. Entweder, um sie zu Strecken, oder weil er des Laufens müde geworden war, und nun doch lieber fliegen wollte.

Aber solche Gedanken wurden schnell zurückgedrängt, während es Taito willentliche Anstrengung kostete, den Engel nicht mit offen stehendem Mund anzugaffen. Und wieder überwältigte er ihn: der unstillbare Wunsch auszubrechen, Flügel auszubreiten, und einfach allem zu entfliehen, doch dass war natürlich unmöglich. Stattdessen... sprang ihm der matschige Boden ins Gesicht.

Sekundenbruchteile später fand sich Taito auf Händen und Knien im Matsch wieder, der ihm – scheinbar hatte er sich eine besonders tiefe Stelle ausgesucht - halb die Unterarme hinaufreichte, und sein gesamtes Gewand Verunstaltete. Am liebsten wäre er einfach nach vorne gekippt und liegen geblieben, bis neuerlicher Regen noch mehr Boden aufweichte, bis sein kalter Kadaver schließlich vollkommen von Schlamm bedeckt war, und den anderen Novizen als Brücke durch diese tiefe Stelle diente. Vielleicht könnte er sich ja auf diese Weise doch noch als nützlich erweisen...

Doch auch dieser Plan wurde vereitelt, doch diesmal nicht durch seine eigene Ungeschicklichkeit oder die Häme anderer Novizen, sondern durch die Hilfsbereitschaft eines Engels, der sogar ein Sakrileg brach, als er ihn anfasste, um ihm aufzuhelfen.

Er hatte einen Engel berührt!!! Schlimmer noch: Der Engel, Gottes Sendbote auf Erden hatte ihn sogar vor seiner eigenen Ungeschicklichkeit retten müssen, indem er ihn aus dem Schlamm zog! Im ersten Moment erschien es Taito wie göttlicher Hohn, doch dann, ganz langsam veränderte sich seine Sichtweise auf die Tat des Engels, denn es kamen ihm einige Worte des Ab in den Sinn:

"Sei niemals zu stolz, Gottes Hilfe anzunehmen, denn er meint es nur gut mit dir."

Wollte ihm Gott damit vielleicht etwas sagen? Wollte Gott nicht, dass er aufgab? Hatte er vielleicht sogar einen Plan für ihn?

Als Arakiel ihn berührt hatte, war ein heißer Blitz durch Taitos gesamten Körper gefahren (die Strafe Gottes für das gebrochene Sakrileg?), der glühend heiß und unglaublich angenehm zugleich war (also eher der Grund, warum dieses Sakrileg bestand? War das, was er gerade erlebte gefährlich?), und Taito genoss die Berührung ungemein (wie viele Leute genießen schon das Privileg, von einem Engel berührt worden zu sein?).

"Hast du dich verletzt?", hörte er die leise, besorgt klingende Stimme seines himmlischen Retters erstaunlich nah bei seinem Ohr, und Taito meinte, den heißen Luftzug zu spüren, der entstand, als der Engel zu ihm sprach.

Für einen kurzen Moment trafen sich ihrer beider Blicke, und in diesem Moment brannte sich das Gesicht Arakiels unauslöschlich in Taitos Gehirn.

Der für Engel eher dunkle Teint, die unergründlichen, schwarzen Augen, in denen Freundlichkeit und ehrliche Besorgnis um seine Person standen (etwas, dass er sonst nur in den Augen des Ab sehen konnte), die fein gezogenen, schwarzen Augenbrauen und schließlich das Feuerrote Haar, von dem Taito vermutete, dass es gefärbt war, denn er konnte einen winzigen, schwarzen Haaransatz in einer Lücke der ansonsten dicht um den Schädel gewickelten Votivbänder mit Segensformeln entdecken. Und irgendwie konnte er nicht umhin zu bemerken, dass er die natürliche Haarfarbe des Engels passender fände... auch wenn er sich sofort wegen seiner Blasphemie schalt: Er konnte diesen Gedanken einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommen, und gleichzeitig fing ein von ihm bisher unbemerkt gebliebener Teil seiner Seele an, sich zu regen...

Taito wusste selbst nicht warum er plötzlich verschämt die Augen niederschlug. Gleichzeitig spürte er, wie er rot anlief und hoffte, dass das unter der Matschschicht, die auch sein Gesicht bedeckte, unbemerkt bliebe. Der Moment, in dem sich ihre Blicke getroffen hatten, war kaum ein paar Sekunden lang gewesen, doch für Taito schien es eine Ewigkeit, und während er noch seine im Schlamm versunkenen Zehen anstarrte, versuchte er, sich die letzten Sekunden noch einmal ins Gedächtnis zu rufen: Die Bilder, die Geräusche, der Geruch des Schlammes, in den sich Arakiels Geruch gemischt hatte, sogar der Geschmack des Schlammes, den er in den Mund bekommen hatte, und natürlich jedes einzelne der Gefühle, die in den letzten Sekunden auf ihn eingestürmt waren, und die er selbst noch nicht richtig deuten konnte.

All das rief er sich noch einmal ins Gedächtnis und legte dieses Erlebnis zu den wenigen schönen, die er in letzter Zeit gehabt hatte, und verschloss sie tief in seinem Herzen. Von diesem Ereignis würde er noch lange zehren können.

Er schüttelte als Antwort auf Arakiels Frage den Kopf, und zwang sich, weiterzugehen und diesmal auf den Weg zu achten. Als er den ersten Schritt tat, war er auch prompt wieder im alten Trott, das Gefühlschaos von eben zwar nicht vergessen, aber zur Seite geschoben, als hätte irgend jemand in seinem Innern einen Knopf gedrückt, mit der Aufschrift "Sorgen", und gleichzeitig sämtliche Freude aus seinem Gehirn verbannt.

Leise murmelte Taito, während er vorantrabte: "Das gibt wieder Ärger. zu Dumm zum laufen, werden sie sagen... warum muss so etwas immer nur mir passieren?"

Und wieder war es Arakiel, der ihm offenbar folgte, und seine düsteren Gedanken durchbrach, indem er ihm anbot, über diesen Vorfall stillschweigen zu bewahren. Auf seine erste Überraschung und Freude folgte schnell Ernüchterung: Denn wie sollte man einen vollkommen verdreckten Novizen verheimlichen, der von einer Mission zurückkehrte?

Aber Arakiel schien nicht locker lassen zu wollen:

"Was wäre, wenn du gekämpft hast?", fragte er nach kurzem Überlegen.

"Aber das habe ich doch gar nicht!", empörte sich Taito, und drehte sich kurz entschlossen zu dem Engel um, der da gerade so unerhört versuchte, ihm zu Helfen, kam aber nicht mehr dazu, eine bissige Bemerkung fallen zu lassen, die diese Versuche in Zukunft unterbunden hätte, denn wieder hörte er die Ermahnung des Ab in seinen Gedanken:

"Sei niemals zu stolz, Gottes Hilfe anzunehmen, denn er meint es nur gut mit dir.", und irgendwie schien ihm eine Stimme zuzuflüstern, dass das auch für die Boten Gottes galt...

"Was nicht ist, kann ja noch werden", lächelte Arakiel, schaute sich um, und fragte dann, mit einem verschmitzten Grinsen auf den Lippen:

"Was meinst du, ob es hier ein paar kleinere Traumsaatkreaturen gibt? Oder willst du lieber ein Kind gerettet haben?". Arakiels grinsen verbreiterte sich beim letzten Satz, so dass sich seine Nase leicht kräuselte.

Taito schaute ungläubig: Phantasierte er jetzt? Oder bot ihm dieser Bote Gottes tatsächlich an, für ihn, einen einfachen, unfähigen Gabrielisnovizen zu lügen?!

"D... das würdest du wirklich tun? A... aber du bist doch...", stammelte Taito, vollkommen überrumpelt.

"Ich bin ein Engel, stimmt. Aber das hält mich doch nicht davon ab, jemandem zu Helfen, der sich redlich bemüht!"

Arakiel fing Taitos Blick in seinem, und hielt ihn fest, während der Novize das Gefühl hatte, in den Augen des Engels zu versinken, und mehr am Rande die Mischung aus Gönnerhafter Wohlgefälligkeit, Schalk und einer nicht ganz verborgenen Neugierde bemerkte. Und wieder überfielen Taito die Widerstreitenden Gefühle, und kämpften um die Oberhand: Religiöse Scheu vor einem Boten Gottes wurde von Verwunderung abgelöst, die sich dann in Dankbarkeit und einer Art Bewunderung verwandelte, die Taito noch gar nicht kannte. Wie Hypnotisiert starrte er in Arakiels Augen, und wünschte sich plötzlich, wirklich in sie einzutauchen, sie Auszuloten und ihre tiefsten Abgründe zu erforschen... Selbst wenn er gewollt hätte, hätte Taito nicht die Kraft und Willensstärke aufbringen können, seinen Blick abzuwenden.

Doch schließlich brach Arakiel die seltsame Magie des Augenblicks, indem er den Blick senkte.

"Nun komm, lass uns den Grund suchen, der dich schmutzig gemacht hat.", sagte Arakiel, und ging ein paar Schritte, während Taito weiter wie vom Donner gerührt stehen blieb. Erst, als Arakiel sich noch einmal zu ihm umdrehte, nickte Taito, peinlich berührt, dass er Arakiel hatte warten lassen und beeilte sich, ihm zu folgen.

Warum? Warum half ihm Arakiel, ein Engel? War Taito ihm wirklich so viel wert, dass er für ihn nicht nur das Sakrileg brach, niemals einen Engel zu berühren, sondern auch bereit war, für ihn zu lügen? Womit hatte er das verdient?

"Warum bist du so nervös?", fragte Arakiel, ohne ihn anzusehen, und schreckte damit Taito wieder einmal aus seinen Gedanken.

"Ich... es hat mich ziemlich überrumpelt, dass du dich so für mich einsetzt.", stammelte er.

"Aber warum sollte ich das denn nicht machen? Du bist doch ein sehr lieber Junge, und tust alles, was in deiner Macht steht, um Gutes zu tun.", antwortete Arakiel.

"Davon sollten sich einige eine Scheibe abschneiden", murmelte er noch, scheinbar mehr zu sich selbst, aber Taito war noch nicht überzeugt: Wie könnte das diese Sünden rechtfertigen? Zumal:

"Es klappt aber doch nie... ich mache doch immer alles falsch, auch wenn ich’s gut meine!"

"Irgendwann wird es klappen, davon bin ich Überzeugt Taito", versuchte Arakiel ihm Mut zu machen – er hatte wohl die Spur Verzweiflung in Taitos Stimme bemerkt, während er leise lächelnd einen anderen Weg einschlug.

Taito blieb nicht verborgen, dass Arakiel offenbar nach einem leichter gangbaren Weg suchte...

"Du solltest nicht immer so negativ denken", meinte Arakiel noch. Na der hatte Nerven... Als Engel hatte er schließlich nicht solche Probleme wie Taito – Arakiel war ja Perfekt erschaffen worden... Gottes Korrektur der Fehler, die er bei der Erschaffung der Menschen gemacht hatte. Und Arakiel war auch nicht so unfähig wie Taito...

"Ja, aber ich...", begann er sich zu rechtfertigen, aber Arakiel schnitt ihm einfach mit einem scharfen: "Sei still!", das Wort ab.

Taito öffnete gerade den Mund zu einer giftigen Entgegnung, als Arakiel wieder sprach: "Hörst du die Schritte?"

Taito hörte nichts, aber er fing an zu lauschen, wie Arakiel es bereits tat, und tatsächlich: Das leise Platschen von schnellen Schritten im Matsch war zu hören.

"Das hört sich nicht an, als wäre der Verursacher schwer bewaffnet oder ähnliches...", flüsterte ihm Arakiel zu. Und was sollte das schon wieder bedeuten? Wieso hatte Taito das Gefühl, dass Arakiel sich den Satzteil: "... Etwas kleines, dass selbst dir nicht gefährlich werden sollte", verkniffen hatte?

Und dann hörten sie weit entfernte Stimmen: "Sie muss hier lang sein", rief eine rauhe Männerstimme, und fast gleichzeitig kugelte ein Mädchen auf den Weg, das wohl weiter oben am Hang gestolpert, und den Hang hinuntergerollt war.

Sofort war Arakiel bei dem Mädchen, und half ihm hoch. Taito kam dabei nicht umhin, die Geistesgegenwart Arakiels und die Geschmeidigkeit seiner blitzschnellen Bewegungen zu bewundern.

"Wir müssen sie in Sicherheit bringen", zischte Arakiel mit einer Stimme, die keinen Widerspruch deutete, aber Taito hatte schon eine Idee: "Hier in der nähe ist eine Höhle... da lang!" rief Taito aufgeregt, und deutete in die Richtung, auch wenn ihm etwas mulmig war – solche Ideen von ihm nahmen meist ein schlimmes Ende, aber jetzt war es zu spät, denn Arakiel war schon mit dem Mädchen auf dem Arm losgerannt, und so folgte Taito den beiden.

Er legte seinen besten Sprint hin, bis die Höhle in Sicht kam, die er Arakiel zeigte. Und während dieser in einem unglaublichen Tempo trotz des Mädchens auf seinen Armen weiter lief, musste Taito langsamer machen – durch den Sprint war er zu sehr aus der Puste.

Und jetzt konnte er auch die Verfolger erkennen: Große, dunkle Gestalten in langen Mänteln, und großen, blitzenden Waffen... und sie kamen näher.

Taito sah ein, dass er keine Chance hatte, und wollte lieber noch etwas Zeit für Arakiel und das Mädchen herausschinden, obwohl ihm klar war, dass er gegen Beutereiter keine Chance hatte.

Also drehte er sich um, zog sein Schwert und versuchte, möglichst einschüchternd zu wirken, als er laut "Halt!" rief, doch selbst ihm war klar, wie kläglich seine vor Angst dünne, zittrige Stimme klang.

Die Reaktion darauf war schon vorher klar: Die Männer lachten gehässig und zogen ebenfalls ihre Schwerter. Taito versuchte währenddessen möglichst wenig zu zittern. Aber er wich nicht von der Stelle. Jetzt hatte er einmal die Chance, sich zu beweisen, diese Chance wollte er nicht verspielen.

"Was willst du denn? Aus dem Weg!", rief einer der Männer, und erntete schallendes Gelächter von seinen Kumpanen.

"NEIN!", schrie Taito verzweifelt, wollte sich damit aber mehr selbst Mut zuschreien, als die Männer abhalten, und machte gleichzeitig einen Schritt auf sie zu. Wieder erntete er nur schallendes Gelächter. Doch noch einmal nahm Taito allen Mut zusammen und ging einen weiteren Schritt nach vorne.

 

So schnell ihn seine Füße auf dem schlammigen Untergrund hatten tragen können, war Arakiel mit dem schmutzigen Kind auf den Armen zu der rettenden Höhle gerannt. Er hasste es, am Boden von den riesigen Schwingen immer behindert zu werden. Dennoch würde er nie auf das Fliegen, auf diese unendliche Freiheit – die einzige, die ihm blieb – verzichten wollen.

Leise keuchend setzte er das zitternde und verstört weinende Kind auf einem Stein in der Höhle ab. Ihr Gesicht war dreckverschmiert und die großen Augen sahen ihn voller Angst an. Sie mochte vielleicht 5, höchsten 6 Jahre alt sein. In ihm wuchs die Wut. Wut auf die Grausamkeit der Menschen. Wie nur konnten sie einem solchen Geschöpf weh tun? War es der Herr der Fliegen, der sie zu solchen Taten trieb, oder gar doch ihr eigenes, vor langer Zeit einmal in Ungnade gefallenes Herz?

Hier würde das Kind vorerst in Sicherheit sein, bis diese grausamen Menschen in die Flucht geschlagen waren. Nur er musste sich beeilen! Was, wenn sie Taito da draußen bereits erreicht hatten? Er war für ihn verantwortlich, er musste ihm beistehen, dich zuerst musste er sich vergewissern, dass das Mädchen auch wirklich hier blieb. So setzte Arakiel ein liebevolles Lächeln auf, während seine Stimme sanft aber eindringlich war.

"Bitte, bleib hier sitzen und rühr dich nicht, versprichst du mir das?"

Das Kind warf einen panischen Blick zum Höhleneingang, wo man bereits die Männer hören konnte, gedämpfte, aber dennoch bedrohliche Stimmen. Arakiels Herz tat einen schmerzvollen Sprung, er musste da raus!

"Was wollen die bösen Männer?", wollte das Mädchen mit tränenerstickter und zittriger Stimme wissen. Er nahm all seine Geduld zusammen und mühte sich, auf das Kind ruhig zu wirken.

"Wie ist dein Name?", fragte er statt einer Antwort.

"Eris...", stammelte das kleine Häufchen Elend, dann endlich kam die erwartete Antwort: "Ja, ich verspreche es."

"So ist es gut, dann werde ich mich jetzt mit meinem Begleiter um diese Männer kümmern. Wenn du hier bleibst und tust, was ich dir sagte, dann wird dir nichts geschehen, das verspreche ich dir, Eris!"

Arakiel lächelte sie aufmunternd an und erhob sich langsam. Er wäre so gerne aus der Höhle gerannt, um Taito beizustehen, aber so hätte er Eris nur Angst gemacht. Er wollte ihr Sicherheit vermitteln, nicht seine eigene Angst um das Leben seines Gefährten.

"Ich komme wieder hierher zurück und dann bringen wir dich nach Hause, also bleib hier sitzen und warte." Noch einmal zwinkerte er dem Kind zu und konnte endlich mit für ihn viel zu langsamen Schritten die Höhle verlassen. Ihm dauerte das alles viel zu lange, schon seit einiger Zeit waren Kampfgeräusche zu hören und sein Herz schlug wild. Was, wenn er zu spät kam?

Schon von weitem konnte er Taito sehen, der sich tapfer schlug, aber gegen diese Übermacht kaum eine Chance hatte. Noch dazu benutzten seine Gegner das Mittel der psychologischen Kriegsführung. Doch der Anblick des jungen Novizen erweckte Stolz und Bewunderung in dem Engel. Taito musste wissen, dass er sterben konnte, dennoch würde er bis zum Ende kämpfen. Hätte er sich nicht zwischen ihn und die Verfolger gestellt, wäre Eris nun vielleicht in ernster Bedrängnis.

"Was willst du Dreckspatz mit dem kleinen Messerchen?", war das Höhnen der Männer bis hier hoch zum Höhleneingang zu vernehmen.

"Den Grundsätzen des Ordens der Gabrieliten treu bleiben und Unschuldige schützen!", erwiderte Taito, doch seiner Stimme war deutlich die Angst anzuhören.

Arakiel beeilte sich, die Distanz zu verringern, noch hatten ihn die Beutereiter nicht entdeckt. Doch die Bedingungen, sich einfach in die Lüfte zu erheben waren zu schlecht, um diesen Schritt in Erwägung zu ziehen. So musste er sich auf seine Füße verlassen, die ihn jedoch bereitwillig und schnell trugen.

Sein Schützling konnte den ersten Angriff seiner Widersacher erfolgreich abwehren, doch brachte ihn der Schlag der Hasta aus dem Gleichgewicht, was tödlich enden konnte! Noch einmal beschleunigte Arakiel seinen Lauf, der Zorn in ihm wuchs.

Ein erneuter Angriff des Beutereiters fiel nicht mehr ganz so heftig aus, da dessen Blick während des Hastastreiches auf Arakiel fiel, der mit zornigem Blick hinter Taito auftauchte und die letzten Schritte fast gemächlich zurücklegte, als hätte er genau gewusst, exakt zum richtigen Zeitpunkt zu erscheinen. Noch während des Schreitens zog er das Flammenschwert, dem er schon des öfteren sein Leben zu verdanken gehabt hatte und erhob diese göttliche Klinge, um zum Angriff bereit zu sein.

Taito konnte den Schlag erneut parieren und nutzte das Stutzen seines Feindes zu einem gezielten Schlag auf dessen Oberschenkel.

Mit vor Zorn funkelndem Blick fing Arakiel an zu sprechen, seine Stimme war dunkel und donnernd.

"Ihr, die ihr Unschuldige leiden habt lassen, möget für eure schändlichen Taten den Zorn eines Engel spüren!"

Trotz der Ablenkung war der Mann schnell genug gewesen, geistesgegenwärtig zu parieren und fügte mit einer schnellen Wendung seiner Waffe dem jungen Novizen eine tiefe Wunde nahe der Schulter am Waffenarm zu. Taito schrie vor Schmerz auf und ließ sein Schwert fallen. Nun reichte es!

Mit drei weiteren schnellen Schritten war der Todesengel heran und lenkte einen geführten Hieb gegen den Menschen, der Taito verletzt hatte. Gerade hatte dieser Verbrecher einen Satz angefangen.

"Wir sind hier im Auftrag der …" Panisch versuchte der Beutereiter, den Schlag zu parieren, doch Arakiel hielt sich im letzten Moment zurück, ließ seine Waffe etwas sinken und sein drohender Blick ruhte auf dem nun doch verängstigten Menschen.

"In wessen Auftrag?", fragte er leise aber eisig und nur mühsam beherrscht, fixierte dabei diesen verhassten Mann.

Sein Gegenüber wich zwei Schritte zurück und nahm eine abwehrende Haltung ein.

Taito bemühte sich, zwischen ihnen herauszukommen und kroch auf allen Vieren, während seine Hand im Schlamm tastend nach seinem Schwert suchte. Sein körperlicher und seelischer Schmerz war ihm deutlich anzusehen und in seinen Augen glitzerte es verräterisch feucht.

"Der Kirche!", kam es schließlich trotzig aus Mund des Mannes und er schien seinen Mut wieder gefunden zu haben, denn in seinen Augen funkelte es ebenso zornig. Im Augenwinkel konnte Arakiel sehen, wie der Rest der Gruppe sich strategisch gute Punkte zum Kämpfen suchte. Doch das war ihm im Moment egal, was zählte war diese infame Antwort!

"Du wagst es, den Namen der Kirche zu beschmutzen?", seine Stimme war noch etwas leiser geworden, durchdrang aber dennoch Mark und Bein.

"Wir wurden geschickt den Zehnt zu holen!", verteidigte sich der Beutereiter nun recht unsicher.

"Und seit wann wird der Zehnt in Menschenleben geholt?!" Arakiels beißender Zorn war nun wirklich nicht mehr zu überhören. Seine Blick bohrte sich in sein Gegenüber.

"D…das ist unsere Aufgabe.... So wurde es uns befohlen.", stammelte der Mann nun und wurde immer kleiner. Er wand sich unter dem stechenden Blick der vor Erzürntheit schwarzen Augen.

Arakiels Lautstärke hob sich nun bedrohlich: "Von WEM?!"

Taito suchte noch immer nach seinem Schwert, hatte kaum mehr Augen für sein Umfeld und war sich scheinbar auch nicht bewusst, dass er so immer weiter in die Nähe der anderen Beutereiter kam, von denen ihm schließlich einer einen heftigen Tritt verpasste und ich anzischte, endlich zu verschwinden. Der Junge wurde von der Wucht des Trittes gegen einen Baum geschleudert und blieb stöhnend dort liegen.

In Arakiel brodelte es, aber so gerne er diese Männer nun einfach schnell und ohne Umschweife getötet hätte, so wenig würde es ihnen nützen. Er war auf Erden, um die Menschen zu beschützen. Warum nur machten es ihm einige immer wieder unbegreiflich, warum er das weiter tun sollte?

"Ab Tanur … aus Prag.", kam die stockende Antwort seines Gegenübers, während bereits die ersten der Gruppe unauffällig zu verschwinden versuchten. Er konnte diese Antwort kaum glauben, wollte nun aber nicht weiter nachhaken, sonst würde er sich vielleicht doch noch vergessen und ein sinnloses Blutbad anrichten.

"Bestellt dem Ab, dass ich so etwas nicht dulden werde! Und auch sonst keiner der vom Himmel Geschickten!", zischte er mühsam beherrscht.

"Aber es ist unser Auftrag…", wollte der Beutereiter noch einmal ansetzen, wurde bei Arakiels Anblick aber immer leiser und verstummte schließlich.

Der Engel holte tief Luft und gab sich Mühe, ruhig zu bleiben. "Zieht euch nun zurück und kommt nie wieder hierher, oder ich werde euch kein zweites Mal verschonen!"

"Ihr könnt auch gleich hier an Ort und Stelle einen gerechten Tod sterben…", setzte er noch sehr leise und vor Zorn bebend hinzu.

Die Menschen taten, wie er es ihnen empfohlen hatte und verschwanden nach einem Zeichen dessen, mit dem er gesprochen hatte, mit eiligen Schritten, aber dennoch leise fluchend im Wald. Arakiel schloss die Augen und musste erst einmal tief durchatmen, um sich wieder etwas zu beruhigen.

Taitos leises Stöhnen zog schließlich Arakiels besorgte Aufmerksamkeit auf sich und er beeilte sich, zu dem Verletzten zu kommen. Er lag sich vor Schmerz krümmend im Dreck, den verwundeten Arm unter sich liegend. Aller Zorn und Hass war der reinen Sorge um diesen so lieb gewonnenen Menschen gewichen, als sich der Engel niederkniete, um Taito sehr behutsam aufzurichten.

Mehr zu sich selbst flüsterte er traurig und verständnislos: "Was haben sie dir nur angetan?"

Der hübsche Junge mit dem so selten gewordenen Lächeln schaute ihn mit schmerzverzerrtem Gesicht an und presste verkrampft seine Arme auf den Bauch. Das Blut der Schnittwunde hatte sich zusammen mit dem Schlamm zu einer unansehnlichen, klebrigen Masse vereinigt, die nichts Gutes ahnen ließ.

"Es... geht schon.", keuchte Taito leise und biss die Zähne zusammen. Mit einer sanften Geste wischte Arakiel ihm etwas den Schlamm aus dem Gesicht und lächelte erleichtert darüber, dass Taito noch reden konnte.

"Denen hast du es aber gezeigt!", meinte er aufmunternd und half dem schwachen Jugendlichen, sich aus dem Dreck zu erheben. Leicht schwankend kam er zum Stehen, sein Kopf blieb gesenkt.

"Ich... bin einfach nur unfähig.", flüsterte er enttäuscht und mühte sich, das Gleichgewicht zu halten.

Arakiel seufzte leise. "Nein, du bist auf dem besten Weg dazu, ein großer Kämpfer zu werden!", stellte er mit Nachdruck fest, während er Taito mehr tragend als stützend zu einem kleinen Bach brachte, den er nahe der Höhle wahrgenommen hatte. Sein Freund unternahm erst gar nicht den Versuch, wirklich eigenständig zu laufen und warf Arakiel einen Blick zu, in dem eine Mischung aus Bewunderung und Dankbarkeit zu lesen war, die ihn lächeln ließ. Bei dem Satz des Engels jedoch schüttelte er nur ungläubig den Kopf, beließ es aber dabei.

Vorsichtig setzte Arakiel seine gerne getragene Last am Ufer des kleinen Baches ab, betrachtete noch einmal kurz Taitos Wunde und riss sich wortlos ein Stück Stoff aus seinem langen Kriegsrock, das er sorgfältig auswusch und dann mit dem kühlen Nass behutsam anfing, die Wunde notdürftig zu säubern. Der Novize biss die Zähne zusammen, hielt jedoch erstaunlich still.

"Nur wer gelernt hat, zu verlieren, der kann auch ein guter Sieger werden.", legte er schließlich während des Säuberns seine Erfahrungen mit gutmütiger Stimme dar.

Langsam wandte Taito sein Gesicht von Arakiel ab, dennoch entging es den aufmerksamen Augen des Engel nicht, wie sich eine einzelne Träne aus den zusammengekniffenen Augen stahl und sich ihren Weg über dessen schmutzige Wange suchte. Mit besorgtem Blick wanderte Arakiels Hand von der Wunde zu dieser Träne, um sie sanft am weiteren Fließen zu hindern.

"Kopf hoch, Taito. Ich glaube wirklich fest an dich.", flüsterte er leise und bemühte sich, noch behutsamer beim Auswaschen der Wunde zu sein.

Sein Patient nickte nur stumm, schaute ihm dann doch in die Augen. Arakiel hielt beim Säubern inne und erwiderte den Blick mit einem leichten Lächeln. Taitos Gefühle waren alle in diesen Blick gelegt, so strömte auf den Engel ein Mischung aus Bewunderung, Dankbarkeit, Vertrauen und noch einigem nicht näher Definierbarem und auf eine seltsame Weise Verwirrendem ein. Arakiels Lächeln wurde verlegen und er senkte schließlich fast etwas ausweichend den Blick.

"Tut es sehr weh?", wollte er nun etwas lauter wissen, um dieser Situation zu entfliehen, die in seinem Inneren ein heftiges Gefühlschaos ausgelöst hatte.

"Jetzt geht es wieder. Danke.", murmelte Taito und sah ihn weiter unbeirrt an. Sein Blick brannte wie die reine Versuchung auf Arakiel und er musste sich ehrlich zusammenreißen.

"Ich schäme mich dafür, dir nicht eher geholfen zu haben.", flüsterte er schließlich leise, während er weiter den hartnäckigen Dreck abwusch, "Vielleicht wärst du dann jetzt nicht verletzt…"

"Aber... dafür brauchst du dich doch nicht zu schämen. Du kannst nicht überall sein! Außerdem war das Mädchen wichtiger!", begehrte Taito auf.

Arakiel seufzte leise. "Ich wäre so gerne überall... Mir schnürt es immer das Herz zusammen, wenn jemand leidet.", er hob den Blick und sah traurig in Taitos schöne Augen, "Lieber sollte ich verletzt sein als du…"

"N... nein. es war schon richtig, dass ich verletzt wurde. Es war meine eigene Dummheit... und so kannst du besser anderen helfen.", lenkte Taito stockend ein.

Arakiel hatte wieder aufgehört, die Wunde auszuwaschen. Er wollte so gerne in diese Augen eintauchen, die solch eine verletzliche und doch so reine und liebenswerte Seele beherbergten. Wieder wollte er etwas sagen, doch in diesem Moment war von den Bäumen nahe neben ihnen ein leises Schluchzen zu hören. Ihrer beider Blicke fuhren herum. Dort stand das kleine Mädchen und dicke Tränen rollten aus ihren Augen. Wie lange hatte sie schon dort gestanden? Doch das war unwichtig. Ohne weiter darüber nachzudenken, stand Arakiel auf und ging vorsichtig auf sie zu, um sie nicht zu verschrecken.

"Kind, es ist alles in Ordnung.", ließ er beruhigend seine Stimme vernehmen. Der Blick des Mädchens war tränenblind und laute Schluchzer schüttelten den kleinen Körper.

Als er ihr schon sehr nahe gekommen war, lächelte Arakiel sanft und ging hinunter auf die Knie, um nicht so groß und majestätisch zu wirken. "Komm her, Eris.", forderte er sie liebevoll auf und streckte seine Arme nach ihr aus. Noch immer kullerten große Tränen aus diesen verängstigten Augen, als das Kind fast blind auf ihn zustolperte.

"Komm her, wir bringen dich nach Hause.", versprach er leise, als Arakiel das zitternde Mädchen sanft in die Arme schloss und ihr so für einen Moment Schutz und Sicherheit gewährte.

Hinter ihm kam Taito schwankend dazu, er schien inzwischen wieder leidlich stehen zu können, was Arakiel doch etwas die Sorge um ihn nahm. Das Mädchen beruhigte sich langsam wieder etwas und sah auf.

"Hast du Durst, Eris?", fragte der Engel nach dem Wohlbefinden des Kindes. Sie nickte und flüsterte dann etwas scheu: "Ja... du bist ein Engel ... Ist er ein Held?" Dabei zeigte ihre kleine Hand an ihm vorbei auf Taito.

"Ja, er hat dich ganz alleine beschützt, Eris.", ein Lächeln machte sich auf seinem Gesicht breit, "Während wir noch redeten, hat er sich den bösen Männern in den Weg gestellt! Er ist sehr mutig!", bekräftigte Arakiel, während er Taito einen anerkennenden Blick zuwarf.

"Er hat sie ganz alleine besiegt?", wollte das Kind mit großen Augen zu Arakiel flüsternd wissen.

"Er hat sie so lange eingeschüchtert, bis sie geflohen sind.", berichtete der Engel leise und mit einem stolzen Ton in der Stimme. Ihm war durchaus bewusst, dass Taito das Gespräch mitbekam, was ja auch seine Absicht dabei gewesen war. Dieser schien hinter ihm peinlich berührt zu sein.

"Er hat sich verletzt...", stellte das Kind besorgt fest und erzählte dann noch immer etwas schniefend "Mami hat da bei mir immer Pflanzen drauf gemacht..."

"Dann muss deine Mutter eine sehr kundige Frau sein. Wir sollten gleich zu ihr gehen und sehen, wie es ihr geht!", meinte Arakiel und hob das Mädchen vorsichtig hoch, während er sich zu Taito herum drehte, der zustimmend nickte.

"Ja!", freute sich das Mädchen.

"Kannst du gehen, Taito?", fragte der Engel mit einem besorgten Blick auf seinen Schützling.

"Ja.", war dessen knappe Antwort. Noch immer konnte er ein leichtes Schwanken nicht verhindern, dennoch schien er fest entschlossen zu sein.

"Sag aber bitte, wenn du eine Pause brauchst.", ermahnte ihn Arakiel eingehend und der Novize nickte gehorchend. Noch für einen kurzen Moment ruhte der Blick des Engels auf dem schwachen Körper, dann hob er das Kind weiter hoch und setzte es sich auf die Schultern. So würde es bequemer für sie beide sein.

 

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