Flammen durchzucken die Nacht,

doch niemand kann sie sehen,

denn es ist niemand mehr da, der sie noch sehen könnte...

 

"Livi, wo ist das Schwert? Bei allen Göttern, wo ist es?"

Keine Antwort aus der Kammer in der sie schläft. Rangard dreht sich um und läuft fluchend die Treppe hinauf. Das Hufgetrappel und der Donner kommen näher, die Angst beflügelt seinen Schritt. Ein Heulen und plötzlich Stille, kein Laut durchdringt die Nacht. Endlich hat er die Tür erreicht, nichts ist zu hören. Rangard reißt die Tür auf und erstarrt, die hintere Wand des Zimmers existierte nicht mehr. Vor der nicht mehr vorhanden Wand schwebte eine Gestalt, in eine Robe gehüllt. Von ihr begann sich langsam eine Aura aus Licht auszubreiten. Ihre Arme bewegten sich in magischen Kreisen. Jetzt haben sie mich gefunden, dachte Rangard. Im immer heller werdenden Licht sah er, das Livi nicht im Raum war.

'Dies ist dein Ende, heute sehen wir uns zum letzten Mal!', hörte er eine Stimme in seinem Kopf. Strahlend hell war es im Raum, als die Hände der Gestalt in seine Richtung wanderten, um den Zauber zu vollenden. Ein Schrei, der Schrei einer Banshee, der Tod würde also kommen, jetzt und hier. Es wurde schnell dunkler und die Wand rechts von ihm verschwand, von dem Zauber getroffen, der ihm gegolten hatte. Die Gestalt sackt zusammen und hinter ihr schwebte eine Frau und obwohl kein Wind wehte, stand ihr Haar wie vom Wind bewegt in alle Richtungen ab.

"Lauf, lauf, solange du noch kannst!"

Jetzt erst erkannt er sie, Livi, die Frau die er seit Jahren liebte. Seine Gedanken überschlugen sich, sein Sohn, wo war er, kaum sechs Jahre alt und doch schon erwachsen, mögen die Götter ihm beistehen. Hufgetrappel und Donner setzten wieder ein, das Heulen wurde lauter. Die Kreaturen des Dunkelwaldes würden sie überrennen, aber er wußte, wenn sie genug mitnahmen, würde ihr Sohn überleben, dies war ihr Schicksal. Aus dem Augenwinkel heraus nahm er eine Bewegung war, gerade rechtzeitig warf er sich zur Seite und entkam den Klauen des Dunkelwolfes knapp. Seine Hände schossen vor, umschlossen den Hals der Bestie und drückten zu.

"Für Asvagar und meinen Sohn!"

Der Wolf zappelte, doch Rangard eiserner Griff hielt ihn fest. Ein Knacken und der Dunkelwolf erschlaffte. Eine Explosion erfüllte den Raum, eine Feuerkugel, Rangard wurde durch das Zimmer geschleudert, Livi hatte er aus den Augen verloren. Schmerz durchzuckte ihn, als er an die Wand prallte, etwas Warmes rann über seine Wange. Seine Hände tasteten herum, sie fanden etwas unter Fell verborgen. Neuer Mut durchfloß ihn, die Sängerin, oft hatte sie ihm beigestanden. Fest umschlossen seine Hände den Griff und mit einem kurzen Gebet ging er zur Kante und sah hinab. Unten waren sie Dunkelwölfe und all die anderen Kreaturen des verfluchten Waldes. Die Kraft von Asvagar in sich spürend, die Sängerin nach oben reißend, sprang er hinunter. Ein Sirren setzte ein, als die gewaltige Axt den ersten Wolf den Schädel spaltete...

 

Als am nächsten Morgen die Sonne aufging,

verschwanden die Schatten der letzten Nacht.

Verbrannte Erde, zerstörte Gebäude, Leichen und Kadaver.

Zerbrochen Holz und Knochen, zerstört die Sängerin.

Tod und Vernichtung überall.

Leise glimmt die Glut und wird zu Asche...

 

Zurück zur Übersicht